Zinswende in Amerika: Kommt sie vor oder nach den Wahlen?

- München - Die Zeit der niedrigen Zinsen könnte schon bald vorbei sein. An den Aktien- und Devisenmärkten mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Chef der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, früher als erwartet an der Zinsschraube dreht - diesmal nach oben.

<P>Steigende Verbraucherpreise, mehr neue Arbeitsplätze und wachsender Konsum (in den USA wohlgemerkt): Das ist die Mixtur, die Börsianer derzeit in Aufregung versetzt. So positiv ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum grundsätzlich sein mag, zunächst beschleunigt sich die Angst vor Inflation. </P><P>Die zuletzt dynamisch gestiegenen Preise könnten die US-Notenbank Fed dazu veranlassen, den Leitzins von seinem historischen Tief von nur einem Prozent anzuheben. Höhere Zinsen jedoch verteuern Kredite für Konsumenten und Unternehmen, außerdem werden andere Anlageformen wie zum Beispiel Staatsanleihen bei höheren Zinsen wieder attraktiver: Alles schlecht für den Aktienmarkt.<BR><BR>Die Aussicht auf höhere US-Zinsen nützt unmittelbar dem amerikanischen Dollar, weil Investitionen im Dollar-Raum wieder interessanter werden. Prompt sackte der Euro auf sein Jahrestief, als die Meldung vom überraschend starken Anstieg der US-Verbraucherpreise verbreitet wurde.<BR><BR>Die Experten sind sich einig, dass die Zinswende nach oben bevorsteht, nur über den Zeitpunkt wird noch gerätselt. Lange Zeit schien sich die alte Börsenweisheit zu bestätigen, dass die Notenbank im Präsidentschafts-Wahlkampf still hält, um die Wiederwahl des amtierenden Mannes im Weißen Haus nicht zu gefährden. </P><P>Doch da ist sich angesichts der jüngsten, doch recht überraschenden Konjunkturdaten auch der Zins- und Währungsexperte der HypoVereinsbank, Nikolaus Keis, nicht mehr ganz sicher. "Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Zinsen vor den Wahlen noch was passiert, ist gestiegen", stellt er fest. Als die beiden für die Notenbank entscheidenden Faktoren nennt er die Inflation und die Lage am Arbeitsmarkt. </P><P>Dennoch will Keis die politische Rücksichtnahme nicht ganz außer Acht lassen, weswegen er sich nicht auf eine zeitliche Prognose festlegen will.<BR><BR>Kurzfristig sei der Dollar etwas gestärkt, mittelfristig, das heißt auf sechs bis neun Monate, jedoch sieht Keis den Euro über 1,30 Dollar. Schwerer würden nämlich strukturelle Argumente wiegen, vor allem das enorme Handelsbilanzdefizit der USA. "Die Exporte müssten doppelt so schnell wachsen wie die Importe, um das auszugleichen", meint er, "und das ist wirklich nicht in Sicht." </P><P>Keis will keinen Abgesang auf den amerikanischen Aktienmarkt anstimmen, zumal die Gewinnentwicklung wichtiger US-Unternehmen durchaus erfreulich ist. Wer aber einen neuen Höhenflug erwartet hat, der dürfte enttäuscht werden.<BR><BR></P>

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