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Fed-Chefin Janet Yellen.

Ökonom über die Folgen der Fed-Entscheidung

Zinswende bleibt aus: "Der Eiertanz geht weiter"

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München - Die US-Notenbank Fed hat die Finanzmärkte enttäuscht. Über die Folgen der Zinsentscheidung sprachen wir mit dem Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger.

Waren Sie überrascht vom Ausbleiben des Zinsschritts in den USA?

Alexander Krüger: Es gab eine 50-zu-50-Chance, wie im Casino, Rot oder Schwarz. Wovon ich überrascht bin, ist die Rhetorik. Ich hätte erwartet, dass die Fed Hinweise gibt, wann sie denn nun handeln wird. Doch das ist ausgeblieben. Von einer Leitzinserhöhung hat sich die US-Notenbank daher ein Stück wegbewegt.

Überzeugen Sie denn die Argumente, die angeführt wurden, also niedrige Inflationsrate, wachsende Konjunkturrisiken?

Alexander Krüger ist Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe

Krüger: Nein. Das ist nicht überzeugend. In den USA liegt eine robuste konjunkturelle Situation vor. Am Arbeitsmarkt besteht, wie die Fed selbst sagt, Vollbeschäftigung. Wenn das und die Aussicht auf wieder steigende Inflationsraten nicht ausreicht, um den Krisenleitzins zu begraben, dann frage ich mich, was noch zusammen kommen soll, damit die Notenbank die Leitzinsen endlich anhebt? Was wird künftig besser sein? Die Antwort ist ganz einfach: nichts! Natürlich gibt es strukturelle Schwächen, am Arbeitsmarkt, bei Investitionen, keine Frage. Aber die sind nicht neu und geldpolitisch ist dagegen ohnehin nichts auszurichten. Und in China wird sich die konjunkturelle Lage auch in drei Monaten nicht aufgehellt haben.

Die Fed engt ja mit ihrer Nullzinspolitik auch ihren eigenen Handlungsspielraum ein.

Krüger: Auch im Hinblick darauf hätte ich erwartet, dass die Fed die aktuell komfortable Situation nutzt, um zinspolitisch Handlungsspielraum zurückzugewinnen. Das hatte sie ja auch immer in Aussicht gestellt. Nun hat sie die Schwellenländer als Krisenherd ausfindig gemacht. Aber: Irgendetwas wird immer sein, dann kann man die Leitzinsen nie anheben. Am Ende des Tages ist die Fed offenbar Gefangene ihrer eigenen Politik.

Die Börsen reagieren durchweg negativ. Der Dax ist sogar unter 10.000 Punkte gerutscht. Warum ist das so? Normalerweise sind niedrige Zinsen gut für die Aktienkurse.

Krüger: Diesmal wurde das anders interpretiert. Die Fed hat das Signal gesendet, dass sie kein Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft hat. Sie hat Unsicherheit gesät – auch im Hinblick darauf, wie bei anhaltender Nullzinspolitik überhaupt effektiv reagiert werden kann. Das ist es, was an den Märkten angekommen ist.

Die Unsicherheit am Markt bleibt mithin bestehen?

Krüger: Die Unsicherheit über den Leitzinsausblick dürfte zunächst anhalten und der Eiertanz der Fed weitergehen. Wir fühlen uns darin bestätigt, dass von der Fed zinspolitisch kaum etwas kommen wird. Mittlerweile wäre ich auch nicht mehr überrascht, wenn sie gar nichts macht.

In diesem Jahr nicht mehr, oder was meinen Sie?

Krüger: Nein, auch im nächsten Jahr. Wir haben vor der Notenbanksitzung gesagt, dass wir ein Zeitfenster für Leitzinsanhebungen bis Mitte 2016 sehen. In diesem Zeitraum könnte man drei Zinsschritte machen. Seit gestern sage ich, in diesem Jahr passiert nichts mehr. Und im nächsten kann man dann noch zwei Leitzinserhöhungen unterbringen, wenn man zinspolitisch Handlungsspielraum zurückgewinnen möchte. Mit Blick auf ihren Inflationsausblick kann die Fed aber auch stillhalten.

Wächst jetzt die Gefahr von Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten?

Krüger: Ja. Je länger eine Nullzinspolitik andauert, um so größer ist die Gefahr, dass sich solche Blasen bilden und größer werden. Auch deshalb wäre es gut gewesen, wenn es einen Zinsschritt gegeben hätte. Das hätte ja noch keine Abkehr von der Krisen-Geldpolitik bedeutet: Bei zwei, drei Zinserhöhungen kann man ja noch lange nicht von einer restriktiven Geldpolitik sprechen.

Hat die US-Notebank an Glaubwürdigkeit verloren?

Krüger: Ja. Natürlich hat sie Glaubwürdigkeit verloren. Wenn man immer sagt, dass man die Zinsen erhöht, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind, und dann doch nicht handelt, wenn der Fall eintritt, verliert man Glaubwürdigkeit. Die eine Bedingung war immer der Arbeitsmarkt, und dort ist die Lage entspannt, die andere die Inflation. Hier sind die Vorgaben noch nicht erfüllt, aber es gibt Signale für steigende Teuerungsraten. Und wem die Inflationsbekämpfung wichtig ist, der handelt vorher, nicht hinterher. Es verfestigt sich daher mein Eindruck, dass die Fed in erster Linie auf das Wohl der Finanzmärkte bedacht ist.

Interview: Corinna Maier

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