Zittern bei Siemens: Es geht um 10 000 Stellen

- München - Bei Siemens bahnt sich ein harter Konflikt mit der IG Metall an. Die Konzernleitung erläuterte dem Betriebsrat gestern ihre Pläne für längere Arbeitszeiten oder Produktionsverlagerungen. Die Gewerkschaft akzeptiere aber "weder eine Verlagerung von Jobs ins Ausland noch die 40-Stunden-Woche", sagte die IG-Metall-Vorstandssprecherin Martina Helmerich der "Berliner Zeitung". Der Siemens-Beauftragte der Gewerkschaft, Wolfgang Müller, warnte: "Es könnte Streiks geben, und wir könnten Öffentlichkeit und Politik mobilisieren."

<P>Bei den Verhandlungen im paritätisch besetzten Wirtschaftsausschuss des Unternehmens gehe es um mehr als 10 000 Arbeitsplätze und die Schließung und Verlagerung von Standorten im gesamten Konzern, sagte Müller. Ein Siemens-Sprecher meinte, die Betriebsleitung wolle die Produktionskosten in deutschen Werken auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau bringen. In Arbeitsgruppen solle dann in den nächsten Wochen über Lösungen verhandelt werden.</P><P>Unter anderem erwägt Siemens, 2000 Stellen der Handy-Sparte von Bocholt und Kamp-Lintfort nach Ungarn zu verlagern. Vorstandschef Heinrich von Pierer hatte mehrfach gesagt, Siemens wolle möglichst viele der 167 000 Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und die Abschaffung der Zuschläge für Samstagsarbeit könnten helfen, die Kosten wieder international wettbewerbsfähig zu machen. In Deutschland kosteten 2000 Ingenieure so viel wie 12 000 in China.</P><P>Müller sagte: "Fest steht, dass wir die Forderungen der Konzernspitze nicht akzeptieren können. Wir können den Mitarbeitern nicht einen Teil ihres Geldes wegnehmen, und in ein paar Jahren stehen ihre Jobs wieder zur Disposition." Er befürchte, dass es "künftig noch schlimmer kommt". Sowohl die IG Metall als auch Heinrich von Pierer haben für heute Pressekonferenzen angekündigt.</P>

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