Zoff am Gartenzaun: So legen Sie Nachbarschafts-Streitereien bei

- Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, weder als Mieter noch als Eigenheimbesitzer. Jedes Jahr werden drei Millionen Nachbarschaftsstreitigkeiten vor Gericht ausgetragen. Dabei ließen sich viele Zankereien vermeiden - durch Kenntnis und Einhaltung gesetzlicher Regelungen und vor allem durch gegenseitige Rücksichtnahme. "Häufig entzündet sich Streit an der Nicht-Einhaltung kleinerer Vorschriften, auf denen eine von beiden Seiten pocht", sagt Kai Warnecke, Geschäftsführer beim Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin. So sind beispielsweise im kommunalen Baurecht Mindestabstände zur Grundstücksgrenze festgeschrieben.

"Meist geht es dann nicht um das Hauptgebäude, sondern um eine Gartenhütte, die ich ohne Genehmigung aufstellen darf und die den schönen Ausblick verstellt."

Auch Bäume und Sträucher können für Ärger sorgen. In den Landesnachbarschaftsgesetzen sind Pflanzabstände zur Grundstücksgrenze detailliert definiert, erklärt Warnecke. Dabei wird nach Pflanzenarten oder nach Höhenkategorien unterschieden. Befürchten Hausbesitzer, dass ein vom Nachbarn gepflanzter Baum zu starken Beeinträchtigungen führen könnte, sollten sie frühzeitig auf Rückschnitt oder Entfernung drängen, rät Warnecke. Denn Bäume, die mindestens fünf Jahre stehen, genießen so genannten Bestandsschutz. Zu den Beeinträchtigungen können große Mengen von Herbstlaub gehören, die auch aufs Nachbargrundstück fallen, sowie starker Schattenwurf und die Ausbreitung der Wurzeln.

Den meisten Ärger gibt es wegen Lärm. Hier gelten die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches. Zwar lassen sich die Lautstärke und der Zeitpunkt von Musik oder Hundegebell objektiv messen, doch der Beweis gestaltet sich oft schwierig. Noch schwieriger wird es in Bereichen, in denen keine Gesetze Anhaltspunkte bieten: Wie störend ist Qualm vom Grill? Oder Benzin vom Mäher? Werden die Wühlmäuse vom nachbarlichen Kompost angelockt?

Vor allem, wenn sich viele Streitpunkte über Jahre angesammelt haben, reicht eine Mini-Frage, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. "Dabei geht es meist gar nicht um diese konkrete Kleinigkeit", erläutert Gerhild von Müller vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Köln. Geschürt wird der Streit durch menschliche Züge wie Neid, Missgunst sowie durch kleine Missverständnisse. Irgendwann kennt niemand mehr den Ursprung der Fehde. Damit die Auseinandersetzung nicht eskaliert, wenn beispielsweise ein Nachbar von seinem Nebenmann verlangt, die Mülltonne an einer anderen Stelle zu platzieren, sollte Letzterer die Bereitschaft signalisieren, auf diesen Wunsch einzugehen, rät die Psychologin. "Wenn er nicht gewillt ist, den Wunsch in die Tat umzusetzen, sollte er zumindest zu verstehen geben: ,Lassen Sie uns gemeinsam nach einer Lösung suchen.’"

In vielen Fällen ist die direkte Kommunikation allerdings so mit Emotionen beladen, dass Außenstehende hinzugezogen werden sollten. In der Regel wird dann ein Rechtsanwalt befragt. Alternativ können sich die Konfliktparteien direkt an einen Schlichter wenden. Listen sind über die Rechtsanwaltskammern, Amtsgerichte, Polizeidienststellen oder unter www.schiedsamt.de erhältlich.

"Ein Schlichtungsverfahren ist bei Nachbarschaftsstreitigkeiten verpflichtend, bevor eine Klage eingereicht werden kann", erklärt Thomas Hannemann, Rechtsanwalt aus Karlsruhe. "Sinn und Zweck ist zum einen, die ordentlichen Gerichte vor der Schwemme der Nachbarschaftsstreitigkeiten zu bewahren. Zum anderen soll vermieden werden, dass aus dem Streit eine ewige Feindschaft wird."

Allerdings scheitert etwa jeder zweite Schlichtungsversuch. In der Folge ziehen die Streithähne vor Gericht. Ein Urteil ist in den seltensten Fällen ein Kompromiss, sondern meist eine Entscheidung für die eine und damit gegen die andere Konfliktpartei. "Darauf kann ein Waffenstillstand, ein Wegzug oder auch endloses gegenseitiges Lauern auf die nächste Revanche folgen", sagt Hannemann.

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