Zoff statt Wehmut auf der Tagesordnung

Hypovereinsbank: - Viel Zeit für Wehmut dürfte bei der voraussichtlich letzten Hauptversammlung der HypoVereinsbank am morgigen Dienstag nicht bleiben. Denn bei dem Aktionärstreffen ist Zoff programmiert.

München - Die Kleinaktionäre verübeln der italienischen HVB-Mutter Unicredit, dass sie zuerst die Ertragsperle Bank Austria aus der Münchner Tochter herausgelöst habe und die verbliebenen Anleger nun über einen Squeeze-Out herausdrängen wolle. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, wo die HVB nach schwierigen Jahren Fahrt aufnimmt und endlich richtig Geld verdient. "Durch den Sumpf durften wir mitwaten, und sobald es der HVB gut geht, will man uns loswerden", schimpft Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Nach den Plänen der Unicredit soll die HVB nach der Abfindung für die Aktionäre von der Börse genommen werden. Für die Münchner Traditionsbank und einstige Nummer zwei der Branche in Deutschland geht damit eine Ära zu Ende.

 "Da hängt Herzblut drin", sagt Bergdolt, die ihrem Unmut über das Vorgehen der Unicredit bei der Hauptversammlung Luft machen will. Auch andere Anlegerschützer werfen den Italienern vor, die Aktionäre zu billig abspeisen zu wollen. Unicredit habe sich die Bank Austria samt ihrer lukrativen Osteuropa-Aktivitäten zu einem Kaufpreis einverleibt, der weit unter dem eigentlichen Marktwert liege, heißt es. Entsprechend niedrig sei die Bewertung und damit auch die geplante Barabfindung für die verbliebenen Anleger. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wollen Aktionärsvertreter deshalb die Entlastung verweigern. Doch die Bank fühlt sich mit zwei Wertgutachten von Wirtschaftsprüfern im Recht.

Schon bei der außerordentlichen Hauptversammlung Ende Oktober 2006 hatten sich Anleger empört, von ihrer HVB bleibe nurmehr eine "wertlose Hülse". Da half auch nicht, dass HVB-Chef Wolfgang Sprißler die guten Perspektiven für die Bank durch die Bündelung des Konzern-Investmentbankings in Deutschland und geplante Akquisitionen lobte, für die man die rund 6,5 Milliarden Euro Buchgewinn aus dem Bank-Austria-Verkauf nutzen wolle. Zweifel an der Bewertung wies Sprißler schon damals zurück: "Unseres Erachtens ist der Verkaufspreis angemessen und hält auch einem Drittvergleich stand."

Bestärkt fühlen sich die Anleger derweil durch einen Teilerfolg vor dem Landgericht München. Dort sind zahlreiche Anfechtungsklagen gegen den Übertragungsbeschluss für die Bank Austria anhängig. Der zuständige Richter hatte gegen den Beschluss bereits Bedenken geäußert und einen um vier oder fünf Milliarden Euro höheren Kaufpreis für die Bank Austria ins Spiel gebracht. Nach DSW-Berechnung würde sich auf dieser Basis die Barabfindung von den derzeit geplanten 38,26 Euro um fast fünf Euro je Aktie erhöhen - "kein Pappenstiel", wie Bergdolt findet.

Hinzugekommen ist zuletzt auch eine Milliarden-Schadenersatzklage von Finanzinvestoren, die zusammen noch 1,5 Prozent an der HVB halten. Sie monieren ebenfalls eine zu niedrige Bewertung der HVB-Beteiligungen und wollen eine höhere Abfindung erstreiten.

Neben Aktionärsschützern rüsten sich auch streitbare Hauptversammlungs-Profis für Dienstag zum letzten Gefecht. Nach aller Erwartung werden sie versuchen, Verfahrensfehler zu provozieren, um so die Basis für Widersprüche zu schaffen. Vorsorglich hat die HVB das Aktionärstreffen deshalb schon einmal auf zwei Tage angesetzt. Dass die Unicredit angesichts der Machtverhältnisse schließlich ihre Pläne für den Zwangsausschluss der Kleinaktionäre durchsetzen wird, bezweifelt indes kaum jemand - die Italiener halten mehr als 95 Prozent des Grundkapitals.

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