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Vom Weihnachtseinkauf in New York dürfen Waren für 430 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden.

Zoll erschwert Schnäppchen-Jagd

München - Der günstige Dollar-Kurs lässt US-Internetseiten wie ein Schnäppchenparadies für eilige Geschenke-Käufer erscheinen. Doch Steuern und Zoll machen den Preisvorteil meist zunichte. Wer selbst zum Weihnachtseinkauf nach Übersee fliegt, profitiert dagegen von neuen Freibeträgen.

Ein fabrikneuer iPod, eine nagelneue Jeans oder ein topmoderner Fotoapparat – beim Stöbern auf amerikanischen Internet-Seiten oder dem Einkauf in den USA staunen deutsche Touristen regelmäßig über günstige Preise. Dabei ist eine grenzenlose Euphorie bei der Einkaufstour in Übersee nicht angebracht: Ein kompliziertes System aus Zollgebühren und Steuern sorgt dafür, dass der Schnäppcheneinkauf schnell zum Ärgernis werden kann.

Der Weihnachtseinkauf ist seit fast genau einem Jahr allerdings ein wenig unkomplizierter: Die Zollfreibeträge für Einkäufe außerhalb der Europäischen Union sind gestiegen. Fluggäste und Schiffspassagiere können seither „sonstige Waren“ für 430 Euro zollfrei einführen – bisher lag die Freigrenze bei 175 Euro. „Das gilt auch für Elektronik und Kleidung, also wenn ich mir zum Beispiel in den USA einen iPod oder eine Jeans kaufe“, sagte Eugen Bresemann von der Bundesfinanzdirektion West in Köln. Bei einem Einkaufswert zwischen 430 und 700 Euro werden pauschal 17,5 Prozent vom Warenwert zusätzlich erhoben, ab einem Warenwert von 700 Euro sind es die entsprechende Mehrwertsteuer von 7 oder 19 Prozent sowie ein flexibler Zollsatz, der sich nach der Warengruppe richtet.

Neben Flugreisenden und Schiffspassagieren profitieren auch alle anderen Einkaufstouristen von der Erhöhung der Freigrenzen, die vor einem Jahr umgesetzt wurden: Bei Personen, die mit einem anderen Verkehrsmittel – also beispielsweise per Bahn oder Auto – einreisen, beträgt die Freimenge zukünftig 300 Euro. Für Reisende unter 15 Jahre wird die Freimenge auf 175 Euro festgesetzt.

Auch für Bestellungen im Internet erhöht sich der Freibetrag. Hier steigt er jedoch nur auf 150 Euro. Bisher wurden Einkäufe, die per Post geliefert werden, bereits ab einem Wert von mehr als 22 Euro mit einer Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent belegt.

Hinzu kommen bei einem Einkauf in den USA ab 350 Euro zusätzlich flexible Zollsätze zwischen zwei (für iPods und MP3-Player) und 17 Prozent (für bestimmte Schuhe) – die Folge für Verbraucher: Eine Markenjeans, die ursprünglich 49 Dollar kostete und damit eigentlich halb so teuer ist wie bei uns, konnte man dank Versandkosten zwischen 20 und 60 Dollar sowie dem Zollzuschlag von 19 Prozent auch gleich in Deutschland kaufen.

Die neuen Zollfreibeträge sind allerdings kein Freibrief zum Power-Shoppen: „Sie gelten für jeweils eine Person. Auf Gruppenreisen lassen sie sich nicht einfach addieren“, warnt Eugen Bresemann von der Bundesfinanzdirektion West in Köln. Im Klartext: Ein Laptop für 860 Euro, den ein Ehepaar gemeinsam gekauft hat, wird trotzdem besteuert. Deutsche Verbraucher müssen deshalb auch weiterhin rechnen, wenn sie teure Produkte im Urlaub kaufen: „Gerade bei Heimtechnik wie MP3-Playern oder Camcordern ist der Zollsatz stark davon abhängig, was das Gerät alles kann“, sagt Dietmar Schulze vom Zollfahndungsamt Hamburg. Während günstigste Schuhe mit acht Prozent besteuert werden, werden Luxusausgaben mit einem Aufschlag von 17 Prozent versehen.

Während sich die Erhöhung der Zollfreibeträge vor allem für Reisende lohnt, die eine mittelgroße Anschaffung am Urlaubsort tätigen wollen, haben Interneteinkäufer keinen besonderen Grund zur Freude: Der Preisvorteil geht auch weiterhin meist beim Import verloren. Denn zahlreiche Produkte, die auf den ersten Blick günstig wirken, kosten mit den zusätzlichen Ausgaben für Zoll, Steuern und Versandkosten fast genauso viel wie in Deutschland.

Die Zollregeln für die Einfuhr von Tabakwaren und Spirituosen aus Nicht-EU-Ländern haben sich im vergangenen Jahr übrigens nicht geändert. Urlauber ab 17 Jahren dürfen 200 Zigaretten und zwei Liter Likör oder Schaumwein mitnehmen, für Hochprozentiges liegt die Grenze bei einem Liter. Zusätzlich sind in Zukunft vier Liter nicht schäumende Weine und 16 Liter Bier zollfrei. Die Reisemitbringsel dürfen aber ausschließlich zum persönlichen Gebrauch dienen oder als Geschenk bestimmt sein.

Sebastian Wieschowski

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