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Glitzer-Lichter am Rockefeller Center in New York. Davon sollten sich deutsche Einkaufstouristen nicht blenden lassen und bei der Schnäppchenjagd an den Zoll denken.

Der Zoll shoppt immer mit

München - Der Euro-Kurs lädt zum Weihnachtseinkauf in den USA ein. Doch damit das Dollar-Schnäppchen nicht zum teuren Spaß wird, gilt es einiges zu beachten. Vor allem bei der Zollanmeldung.

Zu Beginn dieses Jahres sah es noch ganz schlecht aus für findige Schnäppchenjäger, die auch nicht davor zurückschrecken, auf einem achtstündigen Langstreckenflug zum Einkaufen anzureisen - nachdem der Dollarkurs im vergangenen Vorweihnachtsgeschäft noch dramatisch geschwächelt hatte und mit einem Wechselkurs um 1,50 Dollar für einen Euro attraktive Schnäppchen für „Power-Shopper“ aus Deutschland bot, gewann die US-amerikanische Währung in der ersten Hälfe des Jahres 2010 kontinuierlich an Wert. Im Juni gab es nur noch 1,20 Dollar für den Euro - eine Neuauflage der schönen Schnäppchen-Chancen beim vergangenen „Christmas Shopping“ schien im Jahr 2010 unmöglich.

Doch inzwischen zeigt der Pfeil für den Dollar wieder leicht nach unten: Bei rund 1,36 Dollar steht der Euro zurzeit - und der Weihnachtseinkauf in New York wird für diejenigen, deren Portemonnaies mit Euro-Geldscheinen gefüllt sind, wieder interessant.

Reisebüros werben mit Kurztrips

Und die Reisebüros in den Einkaufsstraßen sowie im Internet werben für den Kaufrausch-Kurztrip in die USA: „Alle Jahre wieder die Suche nach Geschenken für deine Lieben. Mach es diesmal doch anders und verknüpfe deine Einkaufstour mit einem Trip nach New York“, heißt es bei StaTravel, das dazugehörige Angebot kostet 719 Euro für vier Tage. „Jetzt ist die beste Zeit, Christmas-Shopping Last Minute zu buchen“, meint der Reiseveranstalter L’TUR und offeriert vier Nächte im 4-Sterne-Hotel inklusive Flug ab 899 Euro. Dafür sehen Reisende nicht nur 30 000 bunte LED-Lämpchen am Tannenbaum vor dem Rockefeller Center - zu den Hauptattraktionen dürften auch die großen Kaufhäuser der Metropole wie Macy’s, Bloomingdale’s und Saks zählen.

Beliebt sind vor allem Apple-Produkte

Eines steht fest: Wer nur zum Einkaufen in die USA reist, zahlt mit Flug und Hotel kräftig drauf. Der Trip in die Konsumtempel der Vereinigten Staaten ist dennoch eine willkommene Gelegenheit für Schnäppchenjäger, denn hier stehen reihenweise Preisschilder, die deutschen Kunden das Zugreifen leicht machen. Besonders hoch im Kurs stehen bei deutschen USA-Urlaubern jegliche Mitbringsel mit einem ergonomisch gestalteten Apfel - ein neues Macbook ist in den großen Apple Stores in der Fifth Avenue von New York oder im Beverly Center von Los Angeles schon für 999 Dollar, also rund 715 Euro zu haben. In einem deutschen Apple Store müssten Käufer 999 Euro hinblättern. Auch bei nagelneuer Bekleidung für den Herbst lohnt sich der Shopping-Ausflug in Einkaufstempel wie die „Mall of America“, mit 400 Geschäften und bis zu 40 Millionen Kunden pro Jahr das meistbesuchte Einkaufszentrum der Welt.

Der Jeans-Klassiker, die Levi’s 501, hat einen offiziellen Verkaufspreis von 59,50 Dollar, umgerechnet also 42,50 Euro. Im deutschen Internetgeschäft ist die Jeans mit 139,95 Euro ausgezeichnet. Und sogar typisch deutsche Erzeugnisse stehen auf der anderen Seite des großen Teichs zum Schnäppchenpreis im Regal: Playmobil drängt seit Jahren aggressiv auf den US-amerikanischen Spielemarkt, bei Toys’R’Us gibt es die Playmobil-Schule beispielsweise für 83,99 Dollar, also etwa 60 Euro. In Deutschland ist das Spielpaket derzeit nicht unter 105 Euro zu haben.

Zollgebühren schränken ein

Bei Preisunterschieden bis zu 40 Prozent und satten Spargelegenheiten ist eine grenzenlose Shoppingtour dennoch nicht angebracht - ein mehrstufiges Zollsystem sorgt dafür, dass deutsche Kunden in den USA mit Aufschlägen rechnen müssen. Zwar sind seit dem 1. Dezember 2007 Mitbringsel bis zu einem Wert von 430 Euro zollfrei, darüber hinaus werden jedoch bei einem Wert bis 700 Euro pauschal 17,5 Prozent des Warenwerts als Zoll hinzugezogen.

Teurere Einkäufe werden je nach Warengruppe unterschiedlich besteuert. Und hier wird es kompliziert: „Gerade bei Heimtechnik wie MP3-Playern oder Camcordern ist der Zollsatz stark davon abhängig, was das Gerät kann“, sagt Dietmar Schulze vom Zollfahndungsamt Hamburg. Während günstigste Schuhe mit acht Prozent besteuert werden, sind Luxusausgaben mit einem Aufschlag von 17 Prozent versehen. Und zusätzlich muss eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent gezahlt werden.

Passende Netzstecker nicht vergessen

 Neben diesen Rechenaufgaben haben Weihnachtseinkäufer aus Deutschland noch weitere Details zu beachten: „Die Freibeträge gelten für jeweils eine Person“, betont Eugen Bresemann von der Bundesfinanzdirektion West in Köln: „Auf Gruppenreisen lassen sie sich nicht einfach addieren.“ Außerdem müssen Reisende unbedingt im Hinterkopf behalten, dass sie den Einkauf eigenständig beim Zoll anmelden müssen - stoßen die Zöllner bei einer Stichprobenkontrolle auf unangemeldete Warenwerte oberhalb der Freigrenze, werden zusätzlich zum Zoll saftige Strafzahlungen fällig, die das Schnäppchen augenblicklich zunichte machen. Und damit nicht genug - für elektrische Geräte muss zusätzlich ein passender Stecker- oder Spannungsadapter angeschafft werden.

Sebastian Wieschowski

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