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Die schwer angeschlagene Hypo Real Estate steht unmittelbar vor der Verstaatlichung - der Bund hat sich rund 45 Prozent der Aktien gesichert.

Bund sichert sich rund 45 Prozent an HRE

Berlin/München - Die schwer angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) steht unmittelbar vor einer Verstaatlichung ohne Enteignung.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa hat sich der Bund mit seinem Übernahmeangebot inzwischen einen Anteil von rund 45 Prozent an dem Münchner Immobilienfinanzierer gesichert. Damit ist er seinem Ziel einer vollständigen Übernahme der HRE nochmals ein deutliches Stück näher gekommen. Die umstrittene Enteignung könnte vermieden werden.

Die Quote könnte am Ende sogar noch etwas höher ausfallen. Der staatliche Banken-Rettungsfonds SoFFin und das Finanzministerium lehnten eine Stellungnahme am Mittwoch ab. Der SoFFin will die endgültige Anteilsquote an diesem Donnerstag bekanntgeben. Die Frist für das Übernahmeangebot von 1,39 Euro je Aktie war am vergangenen Montag um Mitternacht abgelaufen.

Nach Bekanntwerden der Quote schoss die HRE-Aktie nach oben. Zeitweise gewann das Papier fast 53 Prozent auf 2,14 Euro. Offenbar hoffen einige Anleger, dass doch noch mehr Geld zu holen ist. Ein höheres Angebot, auf das Spekulanten wohl setzen, gilt aber als unwahrscheinlich. Einige Börsianer vermuteten auch, dass der Bund womöglich selbst Aktien dazugekauft hat. Am Mittwochnachmittag notierten die HRE-Papiere noch gut 24 Prozent im Plus.

Der Bund hatte sich mit dem Kaufangebot an die HRE-Aktionäre zwar einen Anteil von mindestens 50 Prozent erhofft, um problemlos auf einer Hauptversammlung Anfang Juni eine milliardenschwere Kapitalerhöhung durchsetzen und die restlichen Aktionäre dann per Zwangsabfindung herausdrängen zu können. Aber auch mit einem HRE- Anteil von weniger als 50 Prozent kann das dem Bund gelingen: Für die Kapitalmaßnahmen reicht die einfache Mehrheit aus, wenn die Hälfte des Grundkapitals auf der Aktionärsversammlung vertreten ist.

Dies gilt als wahrscheinlich, da die Präsenz auf Hauptversammlungen eher niedrig ist und selten alle Aktionäre erscheinen. Auch der SoFFin hatte sich schon nach Erreichen einer Quote von rund 41 Prozent zuversichtlich gezeigt, dass eine Enteignung nicht nötig werden dürfte. Sollte die Kapitalerhöhung nicht gelingen, will der Bund die übrigen Aktionäre enteignen, um so die alleinige Kontrolle über die HRE zu gewinnen. US-Großaktionär J.C. Flowers hatte angekündigt, das Kaufangebot nicht anzunehmen. Er und Anleger-Anwälte prüfen eine Klage gegen eine mögliche Enteignung.

Ohne die Garantien des Bundes von 87 Milliarden Euro wäre die HRE bereits zusammengebrochen. Im ersten Quartal 2009 schrieb der Münchner Konzern vor Steuern einen Verlust von 406 Millionen Euro. Unterm Strich stand ein Minus von 382 Millionen Euro.

dpa

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