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Razzia bei MAN: Gibt es ein Schmiergeld-System?

Es geht um illegale Provisionszahlungen in Millionen-Höhe

Ermittler fahnden nach Schmiergeld-System

München - Einzelfälle oder ein System? MAN steht unter dem Verdacht, den Verkauf seiner Fahrzeuge mit Schmiergeldern gefördert zu haben. Ermittler sicherten umfangreiche Unterlagen.

Gestern früh gegen acht Uhr wurde es hektisch auf dem MAN-Werkgelände an der Dachauer Straße. Eine „ganze Armada von Zivilpolizisten“ strömte durch die Tore, erzählt ein Mitarbeiter aus Karlsfeld. „An allen Ecken und Eingängen standen dann stundenlang mehrere Beamte.“ Nutzfahrzeug-Chef Anton Weinmann traf die Durchsuchung vollkommen überraschend während einer Besprechung. Gerüchte über unsaubere Geschäfte im Konzern habe es zwar gegeben – aber nur vereinzelt, verlautete aus gut informierten Kreisen.

Während der Durchsuchung hatten es die Beamten auch auf die Computer mehrerer Mitarbeiter abgesehen und deren E-Mails geprüft. Die Aktion würde sich nicht auf die Nutzfahrzeug-Sparte beschränken, hieß es. Neben dem Hauptquartier der Nutzfahrzeugsparte in der Dachauer Straße waren Beamte in der Konzernzentrale in der Ungererstraße (Schwabing) am Werk. Auch 39 MAN-Niederlassungen in ganz Deutschland bekamen Besuch von Staatsanwälten und Kriminalpolizei. Dabei geht es um verdeckte Provisionszahlungen wie MAN selbst mitteilte.

Über eine Million Euro sollen geflossen sein

Es bestehe der Verdacht dass beim Verkauf von Nutzfahrzeugen verdeckte Zahlungen in einer Gesamthöhe von einer Million Euro in Deutschland und mehreren Millionen Euro im Ausland erfolgt sind. Das Unternehmen sicherte zu, die Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung der Vorwürfe unterstützen zu wollen. Im Einzelfall geht es – zumindest in Deutschland – um vergleichsweise geringe Summen. Die Rede ist von mehreren hundert Euro, „so genannter Provisionen“, wie die Staatsanwaltschaft formuliert, die für den Kauf eines MAN-Fahrzeugs geflossen seien – also Schmiergeld. Und das ist auch zwischen Unternehmen verboten.

Auch die Privatwohnungen von drei Verdächtigen wurden gestern durchsucht. Doch es geht offensichtlich nicht um Einzelfälle. Die Staatsanwaltschaft vermutet mehr hinter den Provisionszahlungen: „Es besteht der Verdacht, dass bei der MAN Nutzfahrzeuge AG ein System zur Förderung des Absatzes von Lkw und Bussen im Bundesgebiet existierte“, teilte Manfred Nötzel, der Leiter der Staatsanwaltschaft München I mit. Dies habe es den Verkäufern in den Niederlassungen ermöglicht, an Personen zu zahlen, die bei den Kunden für den Einkauf verantwortlich waren. Mit den Bestechungszahlungen sollte dafür gesorgt werden, dass die Entscheidung nicht auf Konkurrenzprodukte, sondern auf Fahrzeuge von MAN fiel.

Erinnerungen an Siemens

MAN teilte mit, es gehe bei den Aktionen der Behörden um die Jahre 2002 bis 2005. Die Nutzfahrzeugsparte wurde in der fraglichen Zeit vom heutigen Vorstandschef Håkan Samuelsson geleitet. Oberstaatsanwalt Anton Winkler betonte aber, die Führungsebene des Unternehmens sei von den Vorwürfen nicht betroffen.

Zuletzt hatte ein milliardenschwerer Korruptionsskandal bei Siemens die deutsche Wirtschaft erschüttert. Der Fall war im November 2006 ebenfalls mit einer Großrazzia der Staatsanwaltschaft München ins Rollen gekommen und hatte den Elektrokonzern in seine bisher schwerste Krise gestürzt. Bei Siemens ging es um ein System von Scheinfirmen und fingierten Provisionszahlungen, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen. Im Dezember 2008 hatte sich Siemens wegen des Skandals mit den Behörden in Deutschland und den USA auf ein Strafmaß von insgesamt einer Milliarde Euro geeinigt. Dem Vernehmen nach sind die Vorfälle bei MAN aber nicht mit der Dimension des Schmiergeldskandals bei Siemens vergleichbar.

mm

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