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Politiker treffen im Kanzleramt zum Spitzentreffen zu Opel ein: Bundeskanzlerin Angela Merkel, der hessische Ministerpräsident, Roland Koch, Dieter Althaus, Ministerpraesident von Thüringen und der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck.

Schuldenfrei für Investor

Spitzenrunde zu Opel: Fiat und Magna als Favoriten

Berlin - Das Ringen um die Rettung von Opel geht in eine dramatische Endphase: In Berlin ist am Mittwochabend eine Spitzenrunde von Bund und Ländern zusammengekommen, um erneut über die Zukunft des Autobauers zu beraten.

Die Runde will sich auf eine Zwischenfinanzierung für Opel im Rahmen eines sogenannten Treuhandmodells verständigen.

Der italienische Autohersteller Fiat und der kanadische Zulieferer Magna sind laut “Welt“ die Favoriten der Bundesregierung zur Übernahme Opels. Beiden werde nun erlaubt, eine genaue Prüfung der Bücher (“Due Diligence“) vorzunehmen.

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Das erfuhr das Blatt aus Verhandlungskreisen. Die Entscheidung sei am Mittwochabend innerhalb des Spitzentreffens im Bundeskanzleramt getroffen worden. Die Regierung kann wegen erwarteter Staatsbürgschaften ein entscheidendes Wort beim Verkauf von Opel mitsprechen. Das letzte Wort hat aber der US-Mutterkonzern General Motors.

Den beiden vorläufig gescheiterten Bietern, dem Finanzinvestor Ripplewood und dem chinesischen Autohersteller BAIC, werde erlaubt, ihre Angebote noch einmal zu konkretisieren. Tun sie das, bekommen nach “Welt“-Informationen auch sie Einblick in die Opel-Bücher.

Zuvor hatte der amerikanische Opel- Mutterkonzern General Motors (GM) angekündigt, die europäischen Konzernteile auf Opel zu übertragen. Dies ist Voraussetzung für eine Brückenfinanzierung und das Treuhandmodell. Auf diesem Wege wollen die Bundesregierung und die vier Länder mit Opel-Standorten Zeit für die Verhandlungen mit einem Investor gewinnen.

Ärger mit Brüssel vorprogrammiert

Wegen der geplanten staatlichen Brückenfinanzierung für Opel droht Ärger mit Brüssel. Nach einer Einigung in den Verhandlungen um die Zukunft des Autoherstellers müsste die Bundesregierung ihren Rettungsplan bei der EU-Wettbewerbsaufsicht vorlegen. Bei dem geplanten Übergangskredit von 1,5 Milliarden Euro muss ein Investor nach Informationen der “Financial Times Deutschland“ befürchten, dass die Kommission den Verkauf oder auch die Schließung von Werken zur Auflage macht.

Opel: Schuldenfrei und abgespalten

Der US-Autokonzern General Motors hat sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abgespalten. Die Unternehmenswerte wie die europäischen Werke, die Patente und der Zugriff auf Technologien sei auf die deutsche Tochter Adam Opel GmbH schuldenfrei überschrieben worden, teilte das Unternehmen am Stammsitz in Rüsselsheim mit. Hinter der Entscheidung dürfte die US-amerikanische Regierung als Hauptgläubiger von GM stehen. In den USA schien eine Insolvenz von GM fast unausweichlich, nachdem die Mehrheit der GM-Gläubiger schlug unterdessen das Angebot aus, unbesicherte Schuldverschreibungen im Volumen von 27 Milliarden Dollar gegen 10 Prozent Anteile am Unternehmen einzutauschen, wie General Motors mitteilte. Mindestens 90 Prozent der Anleihe-Gläubiger hätten zustimmen müssen, um eine der Bedingungen der US-Regierung zu erfüllen. Sowohl Banken als auch Kleininvestoren lehnten das Angebot als zu gering ab.

Frank Stronach, Vorsitzender der Magna International Inc.

Die Bundesregierung will sich für die Rettung des deutschen Autobauers Opel erst einmal Zeit verschaffen. Der Schlüssel sei eine Einigung mit den USA auf ein Treuhandmodell, sagte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittwoch unmittelbar vor einem Spitzengespräch mit allen Opel-Beteiligten im Kanzleramt. Damit soll die Chance auf eine erfolgreiche Übernahme gewahrt und parallel dazu das Unternehmen auf eine mögliche Insolvenz vorbereitet werden. Guttenberg sagte, für ein befriedigendes Ergebnis sei “noch erhebliches Entgegenkommen“ der vier potenziellen Investoren sowie der US-Regierung und des GM-Mutterkonzerns nötig. “Es ist nicht zwingend zu erwarten, dass eine Festlegung auf einen Investor am heutigen Abend erfolgt.“

Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Ohne Einigung mit den USA sei die Sicherheit eines Treuhandmodells nicht gewährleistet, erklärte der CSU-Politiker. Dann wäre aber auch das Geld der Steuerzahler nicht sicher. “Und in einem solchen Fall sind weiterhin alle Optionen offen, inklusive einer Plan-Insolvenz“, sagte Guttenberg. Das Spitzengespräch im Kanzleramt über die Opel-Zukunft sollte bis in die Nacht gehen. Neben drei Übernahme-Interessenten nahmen daran auch das US-Finanzministerium, die Ministerpräsidenten der vier Länder mit Opel-Standorten, alle zuständigen Bundesminister sowie Vertreter des amerikanischen Mutterkonzern General Motors teil.

Der Opel-Aufsichtsrat billigte am Vormittag die Übertragung aller europäischen General-Motors-Einheiten auf die Adam Opel GmbH. Er schaffte außerdem die organisatorischen Voraussetzungen für das geplante Treuhandmodell. An einer Opel-Übernahme sind der italienische Autokonzern Fiat, der kanadische Zulieferer Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood interessiert.

Timothy Collins, Gruender und Chief Executive Officer der US-Beteiligungsgesellschaft Ripplewood Holdings L.L.C.

Der vierte mögliche Bieter, der Autokonzern BAIC aus China, werde nicht an dem Gipfel teilnehmen, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. “Es war definitiv zu spät, um den chinesischen Interessenten heute Abend zu beteiligen.“ Mit ihm könne aber später verhandelt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe als Vorgabe für das Spitzengespräch gemacht, dass bei der Brückenfinanzierung eine größtmögliche Sicherheit erzielt werde, sagte der Regierungssprecher. Auch erwarte sie Risikobereitschaft von den Investoren.

Warnung vor Milliarden-Verschwendung

Mit dem Treuhandmodell in Verbindung mit einem staatlich verbürgten Kredit will die Bundesregierung Opel aus der wahrscheinlichen Insolvenz seiner US-Muttergesellschaft raushalten. Mit dem Kredit soll der Autobauer während der Verhandlungen mit Investoren finanziell gestützt werden. Die Treuhand soll von einer privaten Institution, einer Anwaltskanzlei oder einem Unternehmensberater übernommen werden.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnte inzwischen Bund und Länder vor einer Verschwendung von Steuermilliarden und forderte eine Insolvenz. Aber “die Bundesregierung wird im Fall Opel erpresst“, meinte Sinn. Die Kaufinteressenten nutzten aus, dass Politiker im Bundestagswahlkampf ein solches Traditionsunternehmen nicht insolvent gehen lassen dürften.

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