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Die Signale vom Arbeitsmarkt sind nicht gut.

Lage auf Arbeitsmarkt im Mai weiter verschärft

Nürnberg - Trotz eines leichten saisonalen Rückgangs hat sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach Expertenberechnungen im Mai weiter verschärft.

Danach waren im Mai 3,53 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Dies sind lediglich 50 000 weniger als im April, aber rund 250 000 mehr als vor einem Jahr, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

In den vergangenen drei Boomjahren war der durchschnittliche Rückgang im Mai verglichen zum Vormonat fast viermal so hoch ausgefallen.

Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag in Nürnberg bekanntgeben.

Bereinigt um saisonale Sondereffekte, die im Mai meist besonders stark ausgeprägt sind, sehen die Fachleute im zu Ende gehenden Monat erneut einen starken Anstieg der Erwerbslosenzahlen - und zwar um rund 60 000. “Es sieht weiterhin düster aus“, betont etwa HypoVereinsbank-Volkswirt Alexander Koch.

Dabei beunruhigt ihn vor allem das Tempo, mit dem der Arbeitsmarkt abgestürzt ist: Seit Oktober 2008 sei die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um rund 300 000 gestiegen. Bei früheren Konjunktureinbrüchen seien es in diesem Zeitraum nur rund 150 000 gewesen. Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet in den kommenden Monaten mit einer Verschärfung der Jobkrise. Darauf deute die Zahl der Jobangebote hin; diese sei im Mai den siebten Monat in Folge gesunken. Entsprechend sei der Stellenindex BA-X in diesem Monat um fünf auf 126 Punkte gefallen. Dies seien rund 43 Punkte weniger als im Mai 2008. “Damit befindet sich die Arbeitskräftenachfrage auf dem Niveau von Herbst 2005“, heißt in einer Mitteilung.

Besonders für Langzeitarbeitslose sieht es laut BA-Einschätzung düster aus, wie die “Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag) berichtete. “Es wäre falsch, zu früh Entwarnung zu geben“, sagte BA- Vorstandsmitglied Heinrich Alt der Zeitung. “Selbst wenn sich die Konjunktur zu erholen beginnt, müssen wir noch bis weit in das Jahr 2010 hinein mit steigenden Arbeitslosenzahlen rechnen.“ Ähnlich pessimistisch sieht auch die Zukunftsperspektive der befragten Bankenvolkswirte aus: “Wir sind noch relativ weit entfernt von der Talsohle“, meint etwa Philipp Jäger von der DZ-Bank. Nach seiner Überzeugung wird die Arbeitslosigkeit noch im Laufe dieses Jahres die Vier-Millionen-Marke überspringen.

Allianz-Volkswirt Rolf Schneider geht immerhin davon aus, dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr verlangsamt. Philipp Jäger von der DZ-Bank rechnet als Folge des Konjunkturpakets II schon in diesem Sommer mit einer leichten Entspannung auf dem Stellenmarkt. Vor allem auf dem Bau werde sich die Lage verbessern. Bereits im April war der sonst übliche Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt weitgehend ausgeblieben.

Die Zahl der Jobsuchenden war in dem Monat nach Bundesagentur-Angaben gerade einmal um 1000 auf 3 585 000 gesunken. Im Vergleich zu 2008 waren im April 171 000 Menschen mehr auf Arbeitssuche. Die Arbeitslosenquote stagnierte bei 8,6 Prozent. Saisonbereinigt war die Arbeitslosenzahl in Deutschland um 58 000 auf 3,463 Millionen gestiegen. Ohne den verstärkten Einsatz der Kurzarbeit hätte die Zahl der Erwerbslosen um mehrere hunderttausend höher gelegen, hatte BA-Chef Frank-Jürgen Weise eingeräumt. 

dpa

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