EU: Zucker muss billiger werden

- Brüssel - Unter dem Protest von tausenden europäischen Rübenbauern haben die EU-Agrarminister erstmals über die geplante Reform der Zuckermarktordnung beraten. Die deutsche Ressortchefin Renate Künast stellte sich dabei den mehr als 6000 Demonstranten. "Ich scheue keine Diskussion", rief sie von einem improvisierten Podium den Demonstranten entgegen, die ihrem Protest mit Trillerpfeifen und "Künast-raus"-Rufen Luft machten. "Ich verstehe Ihre Sorgen", sagte die Ministerin. Sie betonte aber: "Die Reform wird kommen." Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die garantierten Zuckerpreise bis 2010 um 39 Prozent zu reduzieren. Künast unterstützt den Ansatz der Kommission.

"Die Landwirtschaft muss zeigen, dass sie mit Steuergeldern verantwortlich umgeht", rief die Ministerin den Demonstranten entgegen. Erforderlich ist die Reform, weil die Welthandelsorganisation WTO die EU-Zuckermarktordnung als einen Verstoß gegen internationale Handelsregeln bewertet hat. Künast verwies darauf, dass die EU jährlich vier Millionen Tonnen Zucker nicht mehr exportieren könne, wenn sie an der gegenwärtigen Marktordnung festhalte. Europäische Rübenbauern erhalten von Brüssel Subventionen, um den Zucker zu wettbewerbsfähigen Preisen auf dem Weltmarkt anbieten zu können.Konkret schlägt die EU-Kommission vor, den Preis für Weißzucker von derzeit 631,9 Euro pro Tonne auf 385,5 Euro bis 2010 schrittweise zu senken. Landwirte sollen eine Ausgleichszahlung von 60 Prozent erhalten, die aber an EU-Standards für den Umweltschutz und die Bodenbewirtschaftung gekoppelt sind. Wettbewerbsschwächeren Erzeugern, die in den nächsten vier Jahren aus dem Sektor ausscheiden, soll mit einem Strukturfonds geholfen werden.In der EU sind mittlerweile noch 32 000 Menschen in dem Sektor beschäftigt, in Deutschland rund 6800. Im Jahr 2004 wurden in der Bundesrepublik 4,5 Millionen Tonnen Zucker produziert, in Frankreich 4,3 Millionen Tonnen, gefolgt von Polen mit zwei Millionen Tonnen.Von der bisherigen EU-Zuckermarktordnung profitierten auch Entwicklungsländer, weil diese auf ihr Produkt von der EU ebenfalls mit höheren Preisen bedacht wurden. Deshalb haben die Länder Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP) vor den Folgen der Reform gewarnt. Zum Ausgleich für Verluste will die EU-Kommission den Ländern mit einem Programm unter die Arme greifen, für das allein im nächsten Jahr 40 Millionen Euro bereitgestellt werden sollen.

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