Zündende Idee im Standortwettbewerb

Augsburg - Nach Jahren der Krise fasst ein alter bayerischer Industriestandort wieder Fuß. Den 150. Geburtstag von Rudolf Diesel nutzt Augsburg, um aus den Schatten des nahen München zu treten.

An Selbstbewusstsein fehlt es Paul Wengert nicht: "Augsburg ist Bayerns Mechatronik-Cluster", sagt der Oberbürgermeister der Fuggerstadt, "und ein führender Raumfahrtstandort in Deutschland." Dabei gehörte nach dem schleichenden Siechtum der deutschen Textilindustrie die einstige Textilhauptstadt der Welt lange zu den Krisenzonen im Freistaat. Fast unbemerkt hat sich die älteste Stadt Bayerns erholt und tritt nun selbst als Standortkonkurrent der nahen Landeshauptstadt auf.

Vor allem den 150. Geburtstag von Rudolf Diesel am 18. März sieht Wengert als Chance, für den Standort die Werbetrommel zur rühren. Der geniale Ingenieur hat mit Hilfe der damaligen Maschinenfabrik Augsburg den revolutionären Antrieb entwickelt, der von Anfang an dreimal effizienter war als die gebräuchlichen Dampfmaschinen. Er setzte sich durch.

Die Augsburger Fabrik war zunächst vor allem ein Maschinenbauer für die dortige Textilindustrie. Die Erfindung Diesels veränderte dies. Schiffe, Kraftwerke und schließlich auch Autos wurden mit den Motoren aus Augsburg bestückt. Die Fabrik, nur einen Steinwurf vom historischen Zentrum entfernt, war ein Vorläufer des MAN-Konzerns und ist heute noch dessen profitabelste Tochter: MAN-Diesel ist der mit Abstand größte Schiffsmotorenbauer der Welt. "Wir bewegen die Hälfte des globalen Handels", sagt dessen Chef Georg Pachta-Reyhofen.

"Augsburg war von Ende des 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Industriestadt in Bayern", sagt Kulturreferentin Eva Leipprand. Sie will das mit dem Namen Diesel verbundene Kapital nutzen, um die Stadt "im globalen Wettbewerb wieder zum Glänzen zu bringen".

Dabei sind auch noch zwei verstoßene Töchter des Diesel-Arbeitgebers MAN immer noch weitere wichtige Standbeine der Augsburger Industrie. Die Stadt ist einer der Standorte des Druckmaschinenherstellers MAN Roland. Und sie ist Firmensitz der ehemaligen MAN Technologies, heute MT Aerospace.

Das Raumfahrtunternehmen MT liefert wichtige Teile unter anderem für das Ariane-Raketenprogramm. Und es ist gerade mit einem Zukauf beschäftigt, mit dem Augsburg München auch als Standort der deutschen Luftfahrtindustrie den Rang ablaufen könnte.

Die Augsburger Raketenzulieferer haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Sie verhandeln um die Werke, von denen der Luftfahrtkonzern EADS sich trennen will. Und sie wollen mit diesen Fabriken bei der Kohlefaser-Technologie, die als wichtigste Zukunftstechnologie im Flugzeugbau gilt, an die Weltspitze. Vor allem das EADS-Werk Augsburg hat schon in der Vergangenheit durch Pionierleistungen geglänzt. Dort entstand unter anderem der erste Düsenjäger der Welt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple verklagt Chip-Zulieferer Qualcomm
San Diego - Smartphones brauchen eine Funkverbindung. Im Geschäft mit Chips dafür ist der US-Konzern Qualcomm besonders stark. Zuletzt geriet er zunehmend ins Visier von …
Apple verklagt Chip-Zulieferer Qualcomm
Air Asia treibt Pläne für Europa-Verbindungen voran
Davos/Kuala Lumpur (dpa) - Die malaysische Billigfluglinie Air Asia will im Sommer ihre Flüge nach Europa wieder aufnehmen. Zunächst sei eine Strecke von der …
Air Asia treibt Pläne für Europa-Verbindungen voran
Stürzt Trump die Welt in einen „Handelskrieg“?
Washington - Tiefschwarze Szenarien machen die Runde: Die neue US-Regierung könnte die Welt in einen „Handelskrieg“ stürzen. Es gibt viele Fragen und vorerst nur einige …
Stürzt Trump die Welt in einen „Handelskrieg“?
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"

Kommentare