Zugesagte WM-Tickets: DAB Bank enttäuscht hunderte Anleger

- München - Dirk Groß-Heynck ist sauer. Mehr als drei Jahre wähnte er sich in Sicherheit, glaubte wenigstens zwei der raren Eintrittskarten für die Fußball-WM 2006 schon vor den Verlosungen in der Tasche zu haben. Doch der Computerspezialist aus Bocholt irrte sich. So wie es derzeit aussieht, wird er nicht auf der Stadiontribüne, sondern höchstens auf der Couch vor dem Fernseher Platz nehmen dürfen. Schuld an der Enttäuschung: die DAB Bank aus München.

Im Spätsommer 2002 hatte die HypoVereinsbank-Tochter ein für Fußball-Fans verlockendes Angebot unterbreitet. "So sichern Sie sich schon jetzt Tickets für die WM", hieß es in einer Anzeige. Wer drei Jahre lang monatlich 50 Euro oder einmalig 1800 Euro in bestimmte Fonds der Gesellschaft Dit anlegt, dem versprach die DAB als Bonus das Anrecht auf zwei Tickets für die WM 2006. Und zwar nicht für irgendein Spiel, sondern für ein Vorrunden-Match der Deutschen oder für eine Achtel-, Viertel- oder Halbfinalbegegnung. "Garantiert!"

Von wegen. Groß-Heynck und mehrere hundert andere Fußballfreunde, die auf die Offerte eingingen, bekamen Ende Januar unerfreuliche Post. Die für die Beschaffung der Tickets zuständige "Sportagentur" könne nicht liefern, schrieb die Direktbank. Es werde zwar alles Erdenkliche unternommen, "damit Sie am Ende doch noch die WM live erleben können". Doch das sei zum jetzigen Zeitpunkt "schier unmöglich". Die meisten Eintrittskarten sind längst verteilt.

Die Wut, die in Dirk Groß-Heynck hochstieg, als er den Brief in die Hände bekam, ist noch nicht verflogen. "Wenn man Versprechen macht, sollte man auch zusehen, sie einzuhalten", ärgerte er sich in einem Telefonat mit unserer Zeitung. Gemeinsam mit einem betroffenen Kollegen hat er mittlerweile die Protestaktion "Wo-sind-die-tickets.de" organisiert. Die Forderung: Liefert die DAB keine Karten, soll sie an jeden Betroffenen 2500 Euro Schadensersatz zahlen. Dies entspreche dem Marktpreis der Tickets.

Die Bank lehnt das jedoch ab. "Diese Höhe scheint uns nicht gerechtfertigt", sagte ein DAB-Sprecher auf Nachfrage. Das Institut hat den enttäuschten Kunden wahlweise eine 100-Euro-Gutschrift auf deren Wertpapierdepot oder ein Jahresabo des Bezahl-Senders Premiere angeboten, sollte es mit den Tickets nicht mehr klappen. Gleichzeitig plant die DAB rechtliche Schritte gegen ihren nicht genannten Partner, der bei der Beschaffung versagte. Die Sache sei "nicht ohne", heißt es. Gemeint ist der Imageschaden.

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