Die Zukunft ist dunkel und bitter

- Osterzeit ist Naschzeit. Allein 100 Millionen Schoko-Hasen ­ ob mit Glöckchen oder ohne ­ sollen dieses Jahr wieder in die großen und kleinen Nester der Deutschen wandern. Diese Schätzung kommt vom Internationalen Verband der Süßwarenwirtschaft, Sweets Global Network (SG), dessen Geschäfte in München seit elf Jahren der Niederbayer Hans Strohmaier (49) führt.

Herr Strohmaier, sind Sie froh, dass die Fastenzeit jetzt vorüber ist?

Strohmaier: (lacht) Ich persönlich sehe das nicht ganz so streng mit dem Fasten. Ein Stückchen Schokolade zum Genießen sollte doch immer drin sein . . .

Das sehen viele anders. Gibt es finanzielle Einbußen bei den Süßwaren, wenn sich Tausende im Verzicht üben?

Strohmaier: Nein, diesen Zusammenhang gibt es nicht. Die Umsätze sind immer recht stabil und auch konjunkturunabhängig. Aber jetzt zum Ostergeschäft merken wir eine deutliche Steigerung. Interessanterweise tritt die immer später ein, weil die meisten Verbraucher erst in der letzten Woche vor Ostern einkaufen.

Osterhase oder Weihnachtsmann, wer bringt mehr Umsatz?

Strohmaier: Mehr Umsatz machen wir in der Weihnachtszeit, aber der Unterschied ist gar nicht so groß. Die Oster-Artikel bringen rund 400 Millionen Euro, die Weihnachtssachen 465 Millionen. In den USA ist das genau umgekehrt, da bringt Ostern mehr Geld als Weihnachten. Aber absoluter Spitzenreiter ist dort das Halloween-Geschäft.

Was verkauft sich an Ostern besonders gut?

Strohmaier: Die Klassiker Osterhasen und Ostereier, wobei die Eier 170 Millionen Euro einbringen und die Schokohasen rund 120 Millionen Euro. Saisonale Verpackungen von Jahresartikeln von zahlreichen Markenherstellern machen nur etwa zehn Prozent aus.

Und was sind die süßen Trends in diesem Jahr?

Strohmaier: Ganz klar die hochwertigen und dunklen Schokoladen. Die sind seit ein paar Jahren auf dem Vormarsch. Und so stehen jetzt auch jede Menge Osterhasen mit höherem Kakao-Anteil.

Ist die dunkle Schokolade wirklich gesünder?

Strohmaier: Sie hat auf jeden Fall einen niedrigeren Fettgehalt und einen höheren Anteil an Kakao. Und der soll Studien zufolge nicht nur gut fürs Herzkreislaufsystem sein, sondern schüttet im Gehirn auch Glückshormone aus. Aber es kommt natürlich wie überall auf die Menge an, die man isst.

Maß zu halten scheint ein immer größeres Problem zu sein und immer mehr Menschen haben Übergewicht . . .

Strohmaier: Vor dieser Diskussion dürfen wir uns natürlich nicht verschließen. Aber da spielen ja nicht nur Süßwaren eine Rolle, sondern viele andere Effekte auch. Die Menschen werden immer bequemer, sie gehen statt zu kochen ins Fastfood-Lokal und sitzen vorm Fernseher, statt sich zu bewegen. Meine beiden Kinder beispielsweise essen relativ viel Süßigkeiten, weil wir natürlich immer welche zu Hause haben. Aber dafür sind die beiden jeden Tag zwei bis drei Stunden an der frischen Luft.

Dennoch gibt es auch eine große Gegenbewegung. Immer mehr achten auf ihre Gesundheit und ihre Figur. Trotzdem steigen die Umsätze . . .

Strohmaier: Das Plus liegt mehr am Trend zu hochwertigen und etwas teureren Produkten. Die Verbraucher schätzen wieder qualitativ sehr hochwertige Schokolade und sind bereit, etwas mehr Geld dafür auszugeben. Dadurch steigen zwar die Umsätze, aber nicht die Menge. Pro Kopf isst jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich 28 Kilo Süßwaren, also Schokolade, Gebäck, Zuckerwaren, Knabberzeug und Eis. Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren nicht groß geändert.

Sind wir Deutschen im Vergleich ein Volk von Naschern und was naschen wir besonders gern?

Strohmaier: Wir liegen etwas über dem europäischen Durchschnitt und mögen am liebsten Schokolade. Pro Kopf sind das über acht Kilo jedes Jahr. Die Schweizer kommen zum Vergleich auf knapp zehn Kilo.

Hat jedes Land seinen eigenen Geschmack?

Strohmaier: Auf jeden Fall. Da gibt es viele Unterschiede und Gewohnheiten. In den Niederlanden ist es zum Beispiel üblich, schon zum Frühstück feines Gebäck zu essen, da schnellt der Pro-Kopf-Verbrauch natürlich nach oben. Und auch das Klima spielt eine große Rolle: In den südlichen Ländern verkaufen sich Schokoladen weniger gut. In Spanien isst jeder im Schnitt nur 1,5 Kilo davon.

Dann war der Sommer 2006 eine schlechte Zeit?

Strohmaier: Ja, da wurde wenig Schokolade verkauft. Wer hatte bei den hohen Temperaturen schon große Lust darauf? Und dann stellte sich ja auch ein Transport-Problem.

Gibt es auch innerhalb Deutschlands Unterschiede?

Strohmaier: Ja, zum Beispiel bei Lakritz. Bei uns im Süden kauft die kaum jemand, aber wenn Sie in Norddeutschland in die Läden schauen, sind die Regale voll damit.

Beobachten Sie den Trend zur Bitter-Schokolade auch in anderen Ländern?

Strohmaier: Ja, in den meisten europäischen Ländern und sogar in den USA wird sie immer beliebter.

Für die bittere Schokolade braucht man mehr Kakao. Steigen deswegen die Preise?

Strohmaier: Die werden vermutlich steigen. Aber nicht wegen des Kakao-Preises, sondern weil sich viele Kosten in der Produktion allgemein enorm verteuert haben. Bei Backwaren ist das besonders drastisch, das ist der Preis für Mehl im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen.

Als der Film "Chocolat" mit Juliette Binoche und Johnny Depp in die Kinos kam, müssen Sie begeistert über so viel kostenlose Werbung gewesen sein ...

Strohmaier: (lacht) Ein sehr sinnlicher Film, der Lust auf Schokolade macht. Das hat der Branche sicherlich gut getan, wie auch der andere Film "Charlie und die Schokoladenfabrik".

Hat der Film das Image der Schokolade aufgebessert? Vom Dickmacher zum Life\-style-Objekt?

Strohmaier: Von der Hand zu weisen ist das sicher nicht. Der Trend zu hochwertigen Produkten ist auf alle Fälle da.

Und was für Süßigkeiten stehen bei Ihnen hoch im Kurs?

Strohmaier: (lacht) Am schlimmsten ist die Tüte Gummibärchen beim Autofahren, die ist ziemlich schnell leer. Aber auch zu Hause steht immer eine Schale mit Fruchtgummis\x0f...

Das Gespräch führte Stefanie Backs.

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