Zukunft von AEG Nürnberg ungewiss

- Frankfurt/Main/Nürnberg - Die Zukunft des AEG-Werkes in Nürnberg mit 1750 Beschäftigten bleibt ungewiss. "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen", sagte der Chef des Mutterkonzerns Electrolux, Johan Bygge, am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats der Electrolux Deutschland GmbH in Frankfurt. Derzeit werde geprüft, wie die Kosten in Nürnberg gesenkt werden könnten. "Es ist eine offene Prüfung", betonte Bygge.

Sie werde voraussichtlich Monate dauern. Eine Schließung sei auch wegen der damit verbundenen Kosten, die Electrolux auf 320 Millionen Euro beziffert, nur "das allerletzte Mittel".<BR><BR>Bygge beklagte den dramatischen Preisverfall bei Hausgeräten in Deutschland. Von 2002 bis 2004 seien die durchschnittlichen Preise für Haushaltsgroßgeräte um nahezu 7 Prozent gesunken. Waschmaschinen seien in den vergangenen fünf Jahren sogar um fast ein Drittel billiger geworden. Dadurch habe sich die Gewinnsituation des Unternehmens mit seiner Marke AEG deutlich verschlechtert.<BR><BR>"Ein Unternehmen, das nicht in der Lage ist, Gewinn bringend zu wachsen, sieht schwierigen Zeiten entgegen", sagte Bygge. In Deutschland als einem der Schlüsselmärkte müsse man wieder zu profitablem Wachstum zurückfinden. Dazu seien unangenehme Entscheidungen nötig. Eine Größenordnung wollte der Electrolux-Chef nicht nennen. Er bedauerte, dass sich die Entscheidungen in vielen Fällen negativ auf die Mitarbeiter auswirken werden. "Ich habe großes Mitgefühl mit den Betroffenen", sagte Bygge. Mitgefühl sei aber keine Entscheidung dafür, nicht zu handeln.<BR>"Wenn wir nichts tun, bekommen wir ernsthafte Probleme", warnte er. Die zu Jahresbeginn eingeführte 30-Stunden-Woche für die 1500 Beschäftigten in der Produktion bei AEG in Nürnberg sei keine dauerhafte Lösung. Derzeit stünden auch andere Werke in europäischen Ländern auf dem Prüfstand. Electrolux werde aber künftig nicht nur in Niedriglohnländern produzieren.<BR><BR>Bygge wehrte sich gegen Vorwürfe, dass es ihm bei der deutschen Tochter nur um Gewinnmaximierung gehe und er keine soziale Verantwortung erkennen lasse. "Dem kann ich nicht zustimmen." Electrolux habe in AEG investiert und werde dies auch weiter tun. In den vergangenen fünf Jahren sind Konzernangaben zufolge 83,1 Millionen Euro an Investitionen nach Nürnberg geflossen.<BR><BR>Um im Preiskampf in Deutschland besser bestehen zu können, will Electrolux alle Abteilungen der AEG verselbstständigen, die nicht unmittelbar an der Herstellung und Montage beteiligt sind. Vertrieb, Kundendienst und Marketing sollten so "für Wachstum und solide Gewinne fit gemacht" werden, sagte der Geschäftsführer von Electrolux Deutschland und AEG Hausgeräte GmbH, Martin Wolgschaft. Die Gesellschaft mit insgesamt 4166 Mitarbeitern werde in fünf wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Firmen aufgeteilt.<BR><BR>Wolgschaft versicherte, dass die Mitarbeiter beim Übergang in die neuen Gesellschaften kein Einkommen verlieren. Allerdings würden möglicherweise die Arbeitszeiten verlängert. Die Umstrukturierung soll bis Ende August 2005 abgeschlossen sein. In den kommenden Jahren werde sie bis zu 15 Millionen Euro an Einsparungen bringen.<BR>IG Metall-Chef Jürgen Peters warnte unterdessen die Arbeitnehmer vor dem Glauben, mit einem "Unterbietungswettbewerb" eine Garantie für die von der Schließung bedrohten Standorte zu erreichen. Jeder Eingriff in bestehende Tarifverträge setze einen ruinösen Wettlauf in Gang, sagte Peters am Freitag in Nürnberg. Die Gewerkschaft habe in dieser Hinsicht gerade mit dem Elektrolux-Konzern leidvolle Erfahrungen gemacht.

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