Zukunft von VW-Chef weiter offen

- Wolfsburg - Bei Volkswagen ist die Zukunft von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder weiter offen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh sprach sich in einem Schreiben an die Belegschaft gegen einen "Freibrief" für die anstehende Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder aus.

Die künftige Strategie für die Restrukturierung der Marke Volkswagen liege noch nicht auf dem Tisch. Osterloh schrieb in dem Info-Blatt "BR-Kontakt", der Betriebsrat wundere sich darüber, dass die Vertreter der VW-Hauptaktionäre - Porsche und das Land Niedersachsen - dem Vorstandsvorsitzenden "öffentlich sozusagen einen Freibrief ausstellen". Osterloh: "Wir haben da ein anderes Verständnis über die Aufgabe des Kontrollgremiums Aufsichtsrat."

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sind für eine Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder. In der Branche heißt es, die beiden wollen, dass der VW-Aufsichtsrat in einer Sitzung am 20. April für eine Vertragsverlängerung Pischetsrieders stimmt. Ob an diesem Tag aber wirklich eine Entscheidung fällt, gilt als offen. Am 3. Mai ist die VW-Hauptversammlung.

Volkswagen fährt derzeit angesichts vergleichsweise hoher Kosten und Überkapazitäten einen harten Sparkurs. Für die ertragsschwache Konzern-Kernmarke VW, an deren Spitze der als harter Sanierer geltende Wolfgang Bernhard steht, hatte die Konzernspitze im Februar ein tief greifendes Restrukturierungs-Programm angekündigt. Von diesem könnten rund 20 000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es.

Osterloh schrieb an die Belegschaft: "Jeder, der es mit der Standort- und Beschäftigungssicherung ernst meint und das auch mit schlüssigen Konzepten und Konsequenz in der Umsetzung unter Beweis stellt, ist für uns auch zukünftig ein Verhandlungspartner." Der Betriebsrat sei "nicht für oder gegen jemanden", sondern für Beschäftigung im Interesse der Belegschaft.

Es zeichneten sich harte Verhandlungen ab, zum Beispiel um die Zukunft der Komponentenbereiche, schrieb Osterloh. Der Betriebsrat werde "vielleicht" auch Entscheidungen fällen, die nicht für jeden sofort nachvollziehbar seien. Dahinter stecke aber immer das grundsätzliche Ziel, Volkswagen zum nachhaltigen Erfolg zu führen.

Pischetsrieder steht seit 2002 an der VW-Spitze. Sein Vertrag läuft noch bis zum Frühjahr 2007 - den üblichen Branchen-Gepflogenheiten gemäß wird aber ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags entschieden, ob dieser verlängert wird.

Anfang März hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder als "offene Frage" bezeichnet und von einer starken Opposition der Arbeitnehmer-Seite im Aufsichtsrat gesprochen. Dies war in der Branche als "Demontage" Pischetsrieders durch Piëch gewertet worden.

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