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Peter DriessenChef des Industrie- und Handelskammertages Bayern

Konjunktur

Die Zukunftsängste der bayerischen Wirtschaft

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München - Bayerns Firmen-Chefs befürchten ein Ende des konjunkturellen Höhenflugs im Freistaat.

„Die Euphorie vom Frühjahr ist verflogen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), Peter Driessen, am Mittwoch bei der Vorstellung einer aktuellen Konjunkturumfrage. „Der Boom bekommt Risse und könnte schneller zu Ende gehen als wir denken“, sagte er. Die Unternehmen hätten ihre Wachstumsprognosen deutlich reduziert.

Es ist nicht der Konjunkturindex des BIHK, der Driessen so verunsichert. Denn der Indikator, den die Kammer dreimal im Jahr veröffentlicht, ist innerhalb der vergangenen vier Monate kaum gesunken. Genaugenommen rutschte der Index nur um einen Punkt auf 126 Zähler. Damit liegt er noch immer weit über dem langjährigen Schnitt von 110 Punkten.

Zahl der Optimisten schwinde

Was Driessen Sorge bereitet sind eingetrübte Zukunftsaussichten: Die 4000 befragten Chefs aus der Industrie, der Baubranche sowie Handel und Dienstleistung haben ihre Erwartungen drastisch nach unten geschraubt. Driessen hat festgestellt, dass die Zahl der Optimisten trotz guter Geschäfte mehr und mehr schwindet. „Im Frühjahr rechnete noch fast jedes dritte Unternehmen mit einem Geschäftswachstum, aktuell tut dies nur noch knapp jedes vierte“, sagte Driessen. Besonders in der Bauindustrie seien die Erwartungen eingebrochen.

Das Umfrageergebnis zeigt, dass die Firmen-Chefs aus Industrie und Handel deutlich skeptischer in die Zukunft blicken als ihre Kollegen aus dem Handwerk: Am Dienstag hatte die Handwerkskammer für München und Oberbayern ihre eigene Konjunktur-Umfrage veröffentlicht. Demnach rechnen die Handwerksbetriebe auch in den kommenden Monaten mit guten Geschäften – insbesondere in Oberbayern. Das Handwerk ist aber – anders als die Industrie – stärker an die Binnenkonjunktur gebunden. Eine Schwäche der Exportwirtschaft würde Handwerksbetriebe zeitverzögert treffen.

Wirtschaftspolitik verunsichere Unternehmen

Und genau hier sieht Driessen das größte Problem für Industrie- und Handel: „Die Aussichten für das Wachstum der Weltwirtschaft sind gesunken“, sagte er. Bayerns Firmen setze die abkühlende Konjunktur in den boomenden Schwellenländern zu. China sei immerhin das drittwichtigste Exportland der bayerischen Wirtschaft. Besonders hart treffe das die Industrie: Sie erziele rund die Hälfte ihres Umsatzes mit der Ausfuhr ihrer Produkte, sagte Driessen.

Hinzu komme ein weiterer Grund: Öl sei bereits billig, die Preise dürften nicht weiter sinken, vermutet der Kammer-Chef. Gleiches gelte für das Zinsniveau. „Damit verlieren diese Wachstumsimpulse an Gewicht“, sagte er.

Außerdem verunsichere die Wirtschaftspolitik die Unternehmen, glaubt Driessen. Daher werde kaum investiert. Bei staatlichen Investitionen und dem Abbau von Bürokratie warteten die Betriebe vergebens auf positive Signale.

Und noch ein Problem plagt die Firmen-Chefs: „Der Fachkräftemangel wird immer mehr zum Wachstumshemmnis“, sagte Driessen. Über 40 Prozent der Firmen sähen ihn als Risiko für die Geschäftsentwicklung – so viele wie noch nie. 

Sebastian Hölzle

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