Trio des guten Gewissens: Bank-Chef Harald Strötgen und die beiden Unternehmer Claus Hipp und Götz Werner (v. li.) werben für den ehrbaren Kaufmann. foto: klaus Haag

Zukunftsmodell ehrbarer Kaufmann

München - München - Das Bild des ehrbaren Kaufmanns bröckelt - nicht erst seit der Schlecker-Insolvenz. Über die gesellschaftliche Bedeutung dieses Begriffs debattieren drei Urgesteine des etwas anderen Unternehmertums.

Es ist keine einfache Materie, die sich die drei Herren da vornehmen: der Begriff des ehrbaren Kaufmanns. Claus Hipp, 73, Baby-Kost-Produzent, angesehener Künstler und Bio-Landwirt der ersten Stunde, Götz Werner, 68, belesener Unternehmer mit spiritueller Sicht und Gründer der Drogeriemarktkette dm sowie Harald Strötgen, 65, Chef der Stadtsparkasse München, Förderer zahlreicher sozialer Projekte und bekennender Gegner kurzfristiger Profitgier. Alle drei betonen die Wichtigkeit des wertorientierten Handelns - und doch beschreiten sie unterschiedliche Wege, um letztendlich ihrem Bild des ehrbaren Kaufmanns gerecht zu werden.

„Hoffnung allein reicht nicht“, sagt Harald Strötgen während der vom Marketing-Club München organisierten Podiumsdiskussion in der Akademie der IHK. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass Regularien für die Einhaltung von Ethik und Moral wichtig seien, meint der Bank-Chef. „Eine Verhaltensänderung erreicht man nur durch Betroffenheit und dazu müssen Strafen verhängt werden.“

Seine beiden Mitstreiter für eine anständige, weil nachhaltige und gesellschaftlich verträgliche Wirtschaft, sehen ein härteres Durchgreifen des Gesetzgebers jedoch kritisch. „Nicht alles was erlaubt ist, ist auch ehrbar“, sagt Claus Hipp. Zudem führe eine Überregulierung nur dazu, dass verstärkt nach Schlupflöchern gesucht werde. „Wir brauchen keine staatlichen Institutionen, die uns sagen, wie man sich als ehrbarer Kaufmann zu verhalten hat“, meint Hipp.

„Man kann den Samen nicht zwingen, dass er keimt“, veranschaulicht Götz Werner die Idee des motivierten und damit produktiven Menschen. Dieser Drang müsse von innen kommen und durch passende Rahmenbedingungen gefördert werden. Eine Ethik-Charta wie sie im Hipp-Unternehmen zum Einsatz kommt oder Bonuszahlungen für überdurchschnittliche Leistungen wie bei der Stadtsparkasse München sieht Werner kritisch.

„Ich halte nichts von Proklamationen und habe mir geschworen, niemals Boni zu zahlen“, sagt Werner, der die innere Motivation der Mitarbeiter als Schlüssel zum Erfolg sieht. „Anreizsysteme sind der Start, um zu manipulieren“, ist sich der dm-Gründer sicher. Das will er weder bei seinen Mitarbeitern noch bei den Kunden auslösen. „Deshalb gibt es bei uns keine Sonderangebote“, erklärt Werner. Der Kunde soll ein Produkt kaufen, weil er es braucht und nicht weil der Preis ihn dazu verführt.

Hier erkennen die drei gestandenen Unternehmer ein Umdenken: Der Kunde sei sensibler, skeptischer und kritischer geworden. „Wir leben von unserem Image“, sagt Hipp. Ein in jeder Hinsicht korrektes Verhalten werde erwartet und das Urteil darüber fälle nicht der Gesetzgeber, sondern der Verbraucher. Bleiben die Kunden aus, ist die Katastrophe da. Das hat der Fall Schlecker gezeigt, wo gravierende Imageprobleme und Führungsfehler letztlich in die Insolvenz geführt haben.

Von Stefanie Backs

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