Zukunftsthema Familienpolitik: Auch Unternehmen sind gefordert

- München/Berlin - Gerhard Schröder ging mit gutem Beispiel voran. Er hütete am Samstagabend Töchter und Hund Holly, während seine Frau Doris in Kiel Ministerpräsidentin Heide Simonis im Wahlkampf half. Doch bei Schröders wie auch bei den meisten anderen Familien in Deutschland ist es weiterhin eher ungewöhnlich, dass der Mann zu Hause die Stellung hält. Familie und Beruf zu vereinbaren ist immer noch weitgehend Frauensache. Doch das wollen vor allem gut ausgebildete Frauen nicht mehr akzeptieren - ein Grund für den akuten Kindermangel in Deutschland.

<P>Schon zu Beginn seiner Amtszeit hatte Bundespräsident Horst Köhler angekündigt, die Familie zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit machen zu wollen: "Wie kommt es, dass wir immer weniger Kinder haben?", hatte er gefragt. Eine Antwort erhofft er sich heute von einer illustren Runde: Zu einem Gedankenaustausch sind Familienministerin Renate Schmidt, Handelskammerpräsident Ludwig Georg Braun und DGB-Chef Michael Sommer und mehrere Experten geladen.</P><P>Schmidt stellte zuvor desillusioniert fest, dass es hier zu Lande die "schlechtesten Bedingungen" weltweit gebe, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Daher rühre auch die niedrige Geburtenrate, die "einmalig auf der Welt" sei. Doch wie bringt man die jungen Leute dazu, wieder mehr Kinder zu kriegen?</P><P>Schmidt, dreifache Mutter und vierfache Oma, glaubt nun den Kanzler im Kampf für eine bessere Familienpolitik an ihrer Seite. "Die Mannsbilder haben begriffen, dass Familienpolitik nicht ein weiches Weiberthema ist, sondern ein hartes Zukunftsthema", sagte sie in einem Interview. Ganz offensichtlich eine Anspielung auf das berühmte Zitat Schröders, der das Familienressort als "Ministerium für Frauen und Gedöns" bezeichnet hatte.</P><P>Doch spätestens seit der 60-jährige Schröder neue Vaterpflichten hat, ist das Thema Familie wieder im Vordergrund. In Russland adoptierte er die kleine Viktoria und empfahl kurz danach den Deutschen, mehr Kinder anzunehmen. Doch die lassen sich nicht so leicht überzeugen. Das liegt nach den Worten von Renate Schmidt auch daran, dass Menschen mit Kindern das Gefühl haben, "dass Kinder in dieser Gesellschaft nicht erwünscht sind".</P><P>Familienpolitik war bereits ein Spitzenthema im Bundestagswahlkampf 2002. Die Vorschläge der Parteien unterschieden sich nur im Detail. Ministerin Schmidt hat ein Gesetz für den Ausbau der Tagesbetreuung initiiert, das zum 1. Januar in Kraft trat. Danach sollen Länder und Kommunen bis 2010 die Plätze für unter Dreijährige um 230 000 steigern. Aber Schmidt sieht auch die Unternehmen in der Pflicht: Sie müssten sich stärker um eine familienfreundliche Arbeitswelt bemühen und flexible Arbeitszeitmodelle anbieten.</P><P>Die CDU will sich da nicht abhängen lassen. Nach Meinung von Parteichefin Angela Merkel muss vor allem die Wirtschaft mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun. Dazu gehörten Teilzeitarbeit, Rückkehrmöglichkeiten und mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit.</P><P>Zugleich mahnte Merkel, berufstätigen Frauen mit Kindern nicht mehr das Etikett "Rabenmutter" zu verpassen. Umgekehrt dürfe eine Hausfrau nicht als "das dumme Heimchen am Herd" angesehen werden. Einen finanziellen Segen für Familien wie einst Kanzlerkandidat Edmund Stoiber will Merkel nicht versprechen. Für ein Familiengeld - wie von Stoiber vorgesehen - ist schlicht kein Geld da. <BR></P> 

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