Zumwinkel weiter Vorstandschef - Razzien in ganz Deutschland

- Nach den Vorwürfen wegen Steuerhinterziehung gegen Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel steht die Deutsche Post vor schwierigen Zeiten.

Der 64 Jahre alte Zumwinkel übt nach Angaben des Konzerns vom Donnerstag ungeachtet der Ermittlungen sein Amt weiter aus. Aber zugleich dürfte der Druck steigen, in der Führung für klare Verhältnisse zu sorgen, da wichtige Entscheidungen anstehen. In drei Wochen steht außerdem die Bilanzpressekonferenz des Unternehmens auf dem Plan. Regulär läuft der Vertrag des 64-Jährigen erst Ende des Jahres aus, über seine Nachfolge und eine mögliche Interimslösung wird aber nun noch heftiger spekuliert.

Bei einer Razzia waren am Donnerstagmorgen das Privathaus Zumwinkels in Köln und dessen Büro in der Bonner Konzernzentrale durchsucht worden. Anschließend war der Manager in einem Polizeiwagen zur Vernehmung zur Staatsanwaltschaft Bochum gebracht worden. Gegen eine Kaution wurde ein Haftbefehl gegen ihn außer Kraft gesetzt. Zumwinkel sei wieder zu Hause, hieß es später in einer Erklärung der Post.

Das ZDF hatte berichtet, Zumwinkel solle zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gebracht haben. Weil er die Kapitalerträge daraus nicht versteuert haben soll, liege der Steuerschaden bei rund einer Million Euro.

Wie eine Zeitung am Freitag berichtet, hatte der BND Amtshilfe geleistet und einen Informanten, der im vergangenen Jahr Interna über den Post-Chef anbot, an die Wuppertaler Steuerfahndung vermittelt.

Nach Informationen des "Handelsblatts" ist dies nur der Auftakt für eine ganze Serie von Ermittlungen. In den nächsten Tagen würden in ganz Deutschland Razzien anlaufen, hieß es laut "Handelsblatt" in Ermittlerkreisen. Hunderte von Tätern seien bereits enttarnt. Die Fahnder haben nach diesen Informationen offenbar massenhaft Unterlagen aus der LGT-Bank, der Bank der liechtensteinischen Fürstenfamilie, erhalten. "Wir haben die ganze Bank geknackt", sagte ein Ermittler laut "Handelsblatt".

Mit diesen Informationen konfrontiert, habe LGT-Sprecher Bernd Junkers mit dem Satz reagiert: "Wir kommentieren das im Moment nicht." Woher die Datensätze stammen, sei noch nicht klar. Bei den Steuersündern handele es sich meist um reiche und prominente Deutsche. Namen seien noch nicht bekannt, schreibt das "Handelsblatt".

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