Zurück zu den Wurzeln: Zentrale von Linde zieht nach München

- München - Vor 132 Jahren stellte die Spatenbrauerei in München erstmals eine Kältemaschine nach Plänen von Carl von Linde auf. Dieser Linde war erst 32 Jahre alt, aber bereits ordentlicher Professor am Münchner Polytechnikum und blickte auf eine Vergangenheit als Lokomotivkonstrukteur zurück.

Fünf Jahre später gab er den sicheren Beamtenjob auf und wurde Unternehmer. Das war wohl die erste Ausgründung der heutigen Technischen Universität München -und eine höchst erfolgreiche. Denn Linde ist heute ein internationaler Konzern -der jetzt zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Unter der Führung von Wolfgang Reitzle (57), nebenher ebenfalls Professor an der Technischen Universität München, verlegt Linde, oder wie es neuerdings heißt "The Linde Group", ihre Konzernzentrale wieder nach München. Allgemein war eigentlich der Standort Höllriegelskreuth (Gemeinde Pullach) als Konzernsitz erwartet worden. Nun geht Linde ins Zentrum München. Doch im Vorort sind auch künftig wesentliche Teile des operativen Geschäfts gebündelt. Die bisherige Zentrale Wiesbaden wird Sitz der neu gegründeten Kion-Group. So heißt künftig die bisherige Gabelstapler-Sparte von Linde mit 19 000 Beschäftigten.

Sie ist mit den Marken Linde, Still und OM europäischer Marktführer auf ihrem Gebiet und soll verkauft oder an die Börse gebracht werden. Die drei bis vier Milliarden Euro, die dies bringen soll, sind bereits verplant. Sie gehören zu den 11,7 Milliarden Euro, mit denen Linde den britischen Konkurrenten BOC gekauft hat und so mit 53 000 Mitarbeitern, 12,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und einem operativen Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro zum Weltmarktführer im Bereich technische Gase wurde.

Damit kehrt Linde auch beim Geschäftsfeld zum Erbe Carl von Lindes zurück: Denn dieser nutzte seine Kältemaschinen um Luft in Stickstoff und Stauerstoff oder auch andere Gemische in ihre Bestandteile zu zerlegen. Das funktioniert wie beim Schnapsbrennen durch destillieren. Während beim Schnaps dazu die Zufuhr von Hitze nötig ist, läuft das bei Gasen bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ab. Während die Kältetechnik von Linde 2004 verkauft wurde, bleiben die Gase Kerngeschäftsfeld. Dazu kommt der Bereich Engineering. Dabei geht es um den Bau von Anlagen für die Chemie-Industrie.

Neben München wird es einen zweiten Standort in der englischen Region Surrey geben nahe beim BOCStammsitz. Auch das Spitzenmanagement wird neu zusammengestellt. Aus dem Linde-Vorstand kommt neben Reitzle Aldo Belloni (56), der für den Bereich Engineering zuständig ist, von BOC kommen Kent Masters (45) mit Zuständigkeit für Flüssiggase und Trevor Burt (48), der die Bereiche Fla schen- und Elektronikgase verantwortet. Finanzchef wird Georg Denoke (41), bisher in gleicher Funktion bei Linde Gas.

Der bisherige Finanzvorstand Peter Diesch (51) scheidet zum Jahresende aus, unterstützt bis dahin aber die Trennung von Kion. Chef von Kion wird der bisherige Linde-Vorstand Hubertus Krossa (58). Obwohl München Standort der Konzernzentrale wird (erstmals seit dem Abstieg von Epcos haben damit wieder acht der 30 Dax- Konzerne ihren Sitz in München), wird der Beschäftigungseffekt für die Landeshauptstadt eher bescheiden ausfallen. Am Sitz der bisherigen Konzernzentrale Wiesbaden waren 350 Menschen beschäftigt. In München dürften es weniger werden.

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