Zusatzleistungen: Ärzte kassieren kräftig mit

Berlin - Ärzte verdienen inzwischen offenbar prächtig mit Zusatzleistungen wie Ultralschalluntersuchungen oder Tests, die die nicht die Kasse bezahlt, sondern der Patient selbst.

In den vergangen zwei Jahren sei der Umsatz mit sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen, meldete die “Berliner Zeitung“ am Mittwoch aus einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido). Die Leistungen zahlen die Patienten aus eigener Tasche. Das Institut hatte 2.600 Patienten befragt. Waren 2001 nur 8,9 Prozent der Patienten die privat bezahlten Leistungen angeboten worden, so waren es in diesem Jahr schon 28,3 Prozent, wie es in der Zeitung weiter hieß.

Dabei spiele der Gesundheitszustand des Patienten offenbar eine geringere Rolle als die Gehaltsklasse. Wer mehr als 4.000 Euro netto im Monat verdiene, bekomme die Zusatzleistungen doppelt so häufig angeboten wie Patienten mit weniger als 1.000 Euro netto. Individuelle Gesundheitsleistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen mit der Begründung nicht bezahlt, sie seien entweder überflüssig oder ihr Nutzen sei nicht erwiesen. Dabei geht es zum Beispiel beim Frauenarzt um Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs oder zum Betrachten von Gebärmutter und Eierstöcken.

Die Kasse bezahlt in der Regel nur eine Untersuchung durch Abtasten. Viele Patienten haben aber den Eindruck, der Ultraschall könnte vielleicht mehr erkennen. Laut Wido bieten Frauenärzte und Urologen, aber auch Augenärzte und Orthopäden die individuellen Gesundheitsleistungen besonders häufig an. Im Schnitt kosten die Zusatzleistungen die Patienten 98 Euro, wie die Zeitung weiter berichtet. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verteidigte die Praxis. “Man darf Igel nicht unter einen Generalverdacht stellen“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der Zeitung. Es gebe sehr sinnvolle Leistungen. Darüber hinaus bräuchten viele Ärzte die Einnahmen von Privatpatienten und aus Igel-Leistungen, um ihre Praxen zu finanzieren.

dapd

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