Zuschlag bleibt älteren Bahncard-Kunden erspart

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Berlin (dpa) - Nach heftigen Protesten gegen eine neue Gebühr von 2,50 Euro beim Fahrscheinkauf am Schalter nimmt die Bahn mehrere hunderttausend Kunden davon aus. Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte in Berlin an, den Zuschlag nicht von Bahncard-Besitzern ab 60 Jahren zu kassieren.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) reicht dieser Schritt nicht aus. Er forderte am Mittwoch von Mehdorn den Verzicht auf die Schaltergebühr, die von 14. Dezember an beim Kauf von Fahrscheinen für Fernzüge (ICE und Intercity) verlangt wird. Sie verstoße gegen die Bedürfnisse älterer Menschen, unabhängig davon, ob sie eine Senioren-Bahncard hätten, argumentierte Tiefensee.

Mehdorn hatte zuvor Änderungen an den ursprünglichen Plänen bekanntgegeben. Wer eine Senioren-Bahncard mit 50 Prozent Rabatt besitzt, die es ab einem Alter von 60 Jahren gibt, brauche den Zuschlag nun nicht zu zahlen. Vorgesehen sei eine solche Ausnahme auch für eine neue Senioren-Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung, die Anfang 2009 eingeführt werde. Verschont bleiben sollen zudem Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 50 Prozent, bisher war dies erst von 70 Prozent an vorgesehen.

Mehdorn verteidigte den Zuschlag grundsätzlich als unvermeidlich, um den Schalterdienst in den Reisezentren auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten. Viele ältere Menschen seien durchaus in der Lage, ihre Fahrscheine ohne Zuschlag im Internet zu erwerben oder an den neuen Automaten, die leichter zu bedienen seien als früher. "Ich glaube, wir grenzen da niemanden aus." Verkehrs- und Fahrgastverbände sowie Politiker hatten den Zuschlag als kundenfeindlich kritisiert und seine Rücknahme gefordert.

Der Sozialverband Deutschland und der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität drangen am Mittwoch wie Tiefensee auf einen Verzicht. "Gerade ältere und behinderte Menschen sind auf den Fahrkartenkauf am Schalter angewiesen. Ältere Menschen haben oft gar keinen Zugang zum Internet und kommen mit den komplizierten Fahrkartenautomaten nicht zurecht", sagte Sozialverbandspräsident Adolf Bauer.

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember erhöht die Bahn auch ihre Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent. Mehdorn nannte die Anhebung bei einer Veranstaltung in Berlin "sehr kommod" angesichts stark gestiegener Energiekosten und auch im Vergleich zu den Mehrausgaben, die Autofahrer leisten müssten. "Die Deutschen fahren billig Bahn - das ist eindeutig so", sagte der Bahnchef. In Frankreich und Großbritannien zahlten Bahnfahrer deutlich mehr. Zum Zeitpunkt der nächsten Preiserhöhung merkte Mehdorn an: "Ich schließe nicht aus, dass wir im Jahr 2009 im Dezember wieder vor der gleichen Frage stehen."

Der Vorstandsvorsitzende bestritt einen Zusammenhang von Fahrpreiserhöhung und Servicegebühr mit den Gewinnerwartungen künftiger Aktionäre: "Es hat überhaupt nichts mit dem Börsengang zu tun", sagte er. Die Bahn will 24,9 Prozent ihrer Verkehrs- und Logistiktochter DB Mobility Logistics an die Börse bringen, dies soll nach Angaben aus Finanzkreisen am 27. Oktober geschehen.

Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack beginnen demnächst eine Werbetour bei internationalen Investoren. Geplant sind zwei Runden in jeweils 25 Städten vom deutschen Finanzplatz Frankfurt bis nach Tokio, wie Sack sagte. Auch in Peking, Hongkong, Singapur, Dubai und Kuwait wollen die Manager die künftige Bahn-Aktie vorstellen. Zu den Stationen in Europa gehören London, Paris, Zürich, Mailand, Madrid, Amsterdam und Brüssel. Moskau steht nicht auf dem Plan. Es gebe aber Kontakte zu Investoren aus Russland, hieß es. Interesse gebe es auch bei Staatsfonds aus China und dem Nahen Osten. Sack bekräftigte, dass der Börsengang weiterhin in diesem Herbst geplant sei, ohne den genauen Termin zu nennen.

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