Wohngeld

Ein Zuschuss, der durch die Krise hilft

Kaum noch Überstunden, Kurzarbeit, Entlassungen – die Krise macht sich inzwischen bei vielen Arbeitnehmern im Geldbeutel bemerkbar. Wenn das Einkommen sinkt, springt häufig das Wohngeldamt mit einem (höheren) Mietzuschuss ein. Das kann manchem helfen die Mietwohnung und das Eigenheim zu erhalten.

„Sechs Monate lang wird bei uns nun pro Woche drei Stunden weniger gearbeitet. Unter dem Strich bekomme ich 160 Euro im Monat weniger“, berichtet Ernst M., der bei einem Autozulieferer beschäftigt ist. Ähnlich wie ihm geht es derzeit vielen Arbeitnehmern. Positiv für die Betroffenen: Seit Anfang 2009 gelten beim Wohngeld günstigere Regeln.

Rechtsanspruch


Das Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur monatlichen Miete oder den Ausgaben für ein selbst bewohntes Eigenheim. Es wird – bei Bedürftigkeit – zumeist für einen Zeitraum von zwölf Monaten bewilligt und kann dann immer wieder erneut beantragt und somit zeitlich unbegrenzt gezahlt werden.

Beziehen Mieter oder Eigentümer Arbeitslosengeld I oder Krankengeld, haben sie oft Anspruch auf die Leistung. Das Gleiche gilt auch für Beschäftigte mit unterdurchschnittlichem Haushaltseinkommen. Ernst M. aus Moosburg beispielsweise verdient nun monatlich 2700 Euro brutto. Dazu bekommt er für seine drei Töchter Kindergeld. Dieses wird jedoch beim Wohngeld nicht angerechnet. Seine Ehefrau ist nicht erwerbstätig.

Bei einer Kaltmiete von 640 Euro steht der Familie jetzt monatlich 106 Euro Wohngeld zu. Damit wird das Minus beim Lohn zumindest teilweise ausgeglichen. Der durchschnittliche Anspruch beträgt nach der Neuregelung 140 Euro. Ein Alleinverdiener mit Frau und fünf Kindern, der 2700 Euro brutto verdient und in München 1200 Euro Monatsmiete zahlt, kommt auf 383 Euro.

Die Regeln

Ob und wie viel staatlicher Wohnzuschuss einem zusteht, hängt ab von

  • der Größe des Haushalts
  • dem Mietniveau am Wohnort
  • dem Haushaltseinkommen.

Ein Antrag auf Wohngeld kann sich für Durchschnittsfamilien mit drei Kindern bis zu einem Einkommen von 3190 Euro lohnen. Bei zwei Kindern sind es 2790 Euro. Diese Werte gelten für Regionen mit sehr hohen Mieten – etwa für München und Stuttgart. In ländlichen Regionen gelten niedrigere Sätze.

Wer zum Beispiel wegen eines besonders weiten Wegs zur Arbeit hohe Werbungskosten hat, für den kann sich der Wohngeldantrag auch bei höherem Einkommen durchaus noch auszahlen. Wichtig: Auch steuerlich anerkannte Kinderbetreuungskosten, wie zum Beispiel Kindergartengebühren, mindern das beim Wohngeld anrechenbare Einkommen.

Niedrige Hürden

Das Wohngeld ist eine Leistung mit niedrigen Hürden. So prüfen die Ämter nicht, ob das Auto oder die Größe und Ausstattung der Wohnung angemessen sind. Auch nach Ersparnissen und Vermögen wird in den – regional unterschiedlichen – Wohngeldanträgen in der Regel nicht gefragt.

Ebenso muss niemand seine Rücklagen fürs Alter offenlegen. „Erhebliches Vermögen“ steht allerdings – so die Wohngeldbroschüre des Bundesbauministers – einem Wohngeldanspruch entgegen.

Verzicht auf Hartz IV

Viele Menschen, die in finanziellen Nöten sind, beantragen ungern Hartz IV. Sie können aber gegebenenfalls auch auf ALG II verzichten und stattdessen Wohngeld beantragen. Unter Umständen haben sie dann zwar einige Euro weniger zur Verfügung – sie entgehen aber so der umfassenden Kontrolle durch die Hartz-IV-Ämter.

„Im Zweifel sollte man lieber früher als später einen Antrag auf Wohngeld stellen“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Wohngeld gibt es nämlich erst ab dem Monat der Antragstellung. Ansprüche die vorher bestanden hätten, verfallen.

Bonus für Heizkosten

Zum Ausgleich der gestiegenen Kosten in der Heizperiode 2008/2009 gibt es für Wohngeldbezieher einen einmaligen Heizkostenzuschuss. Dieser beträgt für Haushalte mit einer Person 100 Euro. Haushalte mit zwei Personen bekommen 130 Euro, mit drei oder vier Bewohnern sind es 155 oder 180 Euro. Für mindestens einen der Monate von Oktober 2008 bis März 2009 muss Wohngeld bewilligt wordensein – egal in welcher Höhe.

Mehr Informationen

Zusätzliche Informationen zum Thema gibt es unter Fax-Abruf 09 00/1 25 26 65 54 40  für  62  Cent/Minute  bis  zum 20. 03. 2009 (sechs Seiten).
Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 90 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Neues Wohngeld“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.
Der Wohngeldanspruchkann unter biallo.de/wohngeldrechner berechnet werden.

Von Rolf Winkel

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