Zwangsversteigerungen: Wie man erfolgreich mitbietet

- Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen: Mehr als 91 800 hat das Statistische Bundesamt alleine im Jahr 2004 registriert. Zehn Jahre zuvor waren es gerade mal 54 500. Experten sprechen inzwischen von einer wichtigen Säule des Immobilienmarktes, auf dem sich auch zunehmend Makler tummeln.

Das schnelle Schnäppchen lässt sich an den Amtsgerichten jedoch nicht immer machen. "Zwangsversteigerungen bieten durchaus die Gelegenheit, sehr günstig an ein Haus oder eine Wohnung zu kommen", sagt Michael Bruns von der Stiftung Warentest in Berlin. Dafür müssten sich Interessenten aber über das Objekt und das Prozedere informieren -und sich ein finanzielles Limit setzen.

"Sonst droht man während der Versteigerung in einen Rausch zu verfallen und viel zu viel zu bieten", warnt der Rechtsanwalt und Zwangsverwalter Peter Depré aus Mannheim. Bis zum Termin gilt es ohnehin, einige Vorkehrungen zu treffen. Versteigerungsakte gibt Aufschluss über die Objekte "Die Termine und die jeweiligen Objekte werden in den regionalen Tageszeitungen, durch Aushänge in den Amtsgerichten, im Internet oder in Versteigerungskatalogen veröffentlicht", sagt Rechtpflegerin Anett Scheibe.

Seit sechs Jahren organisiert sie am Dresdner Amtsgericht die Zwangsversteigerungen. Erste Informationen über die Immobilie wie Größe, Grundriss, Verkehrswert und auch Bilder würden mit der Ankündigung veröffentlicht. "Außerdem liegt bei den jeweils zuständigen Amtsgerichten eine Versteigerungsakte aus, die in der Geschäftsstelle eingesehen werden kann." Das sächsische Justizministeri- um bezeichnet diese Akte als wichtigste Informationsquelle.

Sie enthält Mitteilungen des Grundbuchamtes, Anmeldungen von Forderungen, ein Wertgutachten, Hinweise auf Sanierungs- und Baulasten und weitere Schriftstücke, die beim Gericht eingereicht wurden. Der Grundbucheintrag etwa enthält Belastungen wie Grundschulden, Hypotheken, Wegerechte und Wohnrechte, die möglicherweise mitversteigert werden. Ohne juristische Kenntnisse geht es oftmals nicht Diese Einträge und deren rechtliche Bedeutung ließen sich allerdings nicht immer ohne juristische Vorkenntnisse verstehen. Als besonders aussagekräftig bezeichnet das Ministerium das Verkehrswertgutachten.

"Das hat ein Sachverständiger im Auftrag des Gerichtes erstellt", erläutert Rechtspflegerin Scheibe. Dabei fließen die Lage des Grundstückes, der bauliche Zustand des Gebäudes, die Vermietungssituation, der Anschluss an die öffentlichen Ver- und Entsorgungsnetze, laufende Kosten und eventuelle Sondernutzungsrechte in die Schätzung ein. Warentester Bruns warnt allerdings davor, den Verkehrswert als absolutes Maß zu nehmen: "Schließlich unterscheiden sich Gutachten verschiedener Sachverständiger oft erheblich."

Die Experten raten, sich vor der Versteigerung mit dem Zwangsverwalter oder dem Gläubiger -das sind in der Regel Banken -in Verbindung zu setzen. "Die haben oft zusätzliche Informationen", sagt Scheibe. Vor allem aber können Interessenten mit ihnen einen außergerichtlichen Deal vereinbaren. "Manchmal liegt es im Interesse aller Beteiligten, dass man sich gleich auf einen Preis einigt", sagt Bruns. Oft könne man zudem für den eigenen Kredit gute Konditionen aushandeln.

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