Zwei Kündigungen sorgen für Ärger und Unruhe in der HVB

- München - Der doppelte Rücktritt in der Chefetage der HypoVereinsbank (HVB) sorgt für Unruhe und Verärgerung im Konzern. HVB-Chef Dieter Rampl akzeptierte zwar die Kündigungen von Christine Licci und Stefan Jentzsch als "persönliche Entscheidungen". "Verstehen", so Rampl in einem Brief an die Mitarbeiter weiter, "kann ich sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht". Überraschend und schwer nachvollziehbar findet auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Bank, Peter König, die Entscheidung. "Wir hätten erwartet, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen."

Wie kolportiert wird, sollen Allmachts-Bestrebungen der italienischen Unicredit im Vorfeld der Übernahme der Münchner Bank ein Grund für das Ausscheiden von Licci und Jentzsch sein. Zur Motivlage der beiden Kündigungen gibt es auch eine andere Erklärung. Dabei geht es um persönliche Eitelkeiten und Kränkungen, die zu gezielten Indiskretionen geführt hätten. Im Zentrum dieses Szenarios steht Christine Licci, die seit knapp einem Jahr für das Privatkundengeschäft der HypoVereinsbank verantwortlich ist und die gern selbst Nachfolgerin von Dieter Rampl an der HVB-Spitze geworden wäre.

Diese Chance war aber spätestens im Sommer des Jahres vertan, als sich Licci per E-Mail an die Mitarbeiter über die Veröffentlichung falscher Zahlen über ihren Geschäftsbereich beklagte. "Seitdem ist sie in Mailand wie in München unten durch", heißt es aus Bankkreisen. Licci kann sich dennoch über eine Abfindung in Höhe von drei Jahresgehältern freuen, da es wegen der Übernahme ein Sonderkündigungsrecht gibt.

Warum Stefan Jentzsch das Haus verlässt, wird unterschiedlich interpretiert. Eine Version geht davon aus, dass er sich mit den neuen italienischen Herren nicht über den Zuschnitt seines Ressorts habe einigen können. Die andere spricht von der schon fast sprichwörtlichen Untreue der Investmentbanker. Angeblich ist Jentzsch in Gesprächen mit der Dresdner Bank, die ihm möglicherweise ein finanziell unwiderstehliches Angebot gemacht hat. Eigentlich sollte der höchst profilierte Investment-Banker im neuen bayerisch-italienischen Bankenkonzern für das gesamte Investmentbanking verantwortlich sein - und somit zu den Fusionsgewinnern gehören.

Der Abschied des Firmenkundenchefs Johann Berger, über den ebenfalls spekuliert wird, ist nach Angaben aus Finanzkreisen noch nicht gewiss. "Es steht 50:50", hieß es dazu.

HVB-Chef Dieter Rampl versucht nun, die Wogen zu glätten. Die Kündigungen beeinflussten den weiteren Zeitplan nicht. "Wir lassen uns in keinster Weise - auch nicht durch Indiskretionen und haltlose Gerüchte - unter Druck setzen." Der neue Vorstand der HVB AG solle wie geplant am 18. November stehen. Die Posten der Fahnenflüchtigen Licci und Jentzsch sind vorerst vorwiegend mit deren bisherigen Stellvertretern besetzt. Die Bank widersprach auch Berichten über einen Stellenabbau in Deutschland, der über die bisher genannte Zahl von 1800 hinausgehen soll. "Das entbehrt jeglicher Grundlage", betonte HVB-Sprecher Martin Roth.

Über die Spitzenpersonalie wurde indes offiziell nichts mitgeteilt. Laut Medienberichten soll Finanzvorstand Wolfgang Sprißler Dieter Rampl nachfolgen, wenn dieser in den Verwaltungsrat der Unicredit wechselt. Sprißler (59) wollte eigentlich in Ruhestand gehen.

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