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Telekom-Chef Rene Obermann (M) mit der Unternehmensberaterin Claudia Nemat (l) und der früheren baden-württembergischen Bildungsministerin Marion Schick.

Zwei neue Frauen für Telekom-Vorstand

Berlin - Im Telekom-Vorstand nehmen künftig neben der Männeriege zwei Frauen Platz. Allerdings fühlt sich die Gewerkschaft durch das Verfahren der Berufung brüskiert - ein Konflikt ist programmiert.

Vor gut drei Monaten haben sich die 30 Dax-Konzerne zur freiwilligen Frauenförderung bekannt, jetzt schafft die Telekom in ihrer Chefetage Fakten. Das schwächelnde Europa-Geschäft und die Personalverantwortung legt Unternehmenschef René Obermann künftig in die Hände von Frauen. Damit steigt die Zahl weiblicher Vorstandsmitglieder in Dax-Unternehmen von 6 auf 8.

Für Obermann ist das mehr als Symbolik. “Es ist geradezu sträflich, diesen großen Pool von Talenten sowohl in Fach- als auch in Führungskarrieren nicht stärker zu fördern“, sagte Obermann am Dienstag in Berlin. Das fange bei den Neueinstellungen an. Trotz des Vormarsches der Frauen bei der Telekom liegt nach Angaben der Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) der Anteil von Frauen in Top-Positionen aber weiter auf einem niedrigen Niveau. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen der DAX-Unternehmen wachse nur sehr langsam. “Wir dürfen uns von einigen erfreulichen Ausnahmen nicht blenden lassen“, erklärte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow am Dienstag. Das Kontrollgremium des rosa Riesen hatte die McKinsey-Beraterin Claudia Nemat (42) zum Oktober als Europachefin und die frühere baden-württembergische Bildungsministerin Marion Schick (52) im Mai kommenden Jahres zur Nachfolgerin von Thomas Sattelberger im Personalressort berufen.

Protest von Arbeitnehmerseite

Doch an der Ernennung von Schick entzündete sich Widerstand. Aus Protest gegen ihre Wahl verließ die Arbeitnehmerseite die Aufsichtsratssitzung. Lothar Schröder, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Verdi-Bundesvorstand, sprach von einem “Schlag gegen die Grundkultur“ bei der Deutschen Telekom. “Das wird nicht dazu beitragen, dass die laufenden Konflikte mit dem Management geringer werden“, sagte Schröder am Dienstag. Schröder kritisierte dabei nicht die Personalie Schick als solche oder das Vorhaben, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sondern er rügte das Verfahren. Wie schon bei die Berufung von Sattelberger 2007 seien die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat erneut übergangen worden.

Zur fehlenden Rückendeckung im Aufsichtsrat durch die Vertreter der Arbeitnehmer bei ihrer Ernennung sagte Schick: “Das schmerzt mich nicht“. Sie soll Thomas Sattelberger ablösen, der sich bei der Telekom maßgeblich für mehr Frauen in Führungspositionen eingesetzt hatte. Sie werde gut mit der Arbeitnehmerseite zusammen arbeiten, sobald es an die Fachfragen gehe, und sie wolle die Sozialpartnerschaft verantwortungsvoll pflegen.

Pionier- statt Quoten-Frau

Schröder sieht indes dunkle Wolken aufziehen. Die Arbeitnehmer fühlten sich brüskiert und hätten nie eine Chance gehabt, einen eigenen Kandidaten oder Kandidatin für das Personalressort zu präsentieren. Eigentlich sei es logisch, dass sich gerade bei der Frage des Arbeitsdirektors oder des Personalchefs beide Seiten auf einen Kandidaten einigten.

Die Telekom will bis 2015 eine Frauenquote von 30 Prozent für die oberen und mittleren Führungspositionen erreichen. Für die Nachfolge des Datenschutzvorstandes Manfred Balz steht ebenfalls eine Neubesetzung an. Das “Handelsblatt“ berichtete, dass die FDP-Politikerin Birgit Grundmann, die seit 1993 im Justizministerium arbeitet, als aussichtsreichste Kandidatin gelte. Eine Quotenfrau wolle sie nicht sein, sagte die künftige Europachefin Nemat in Berlin. “Als Physikerin und langjähriger Senior-Partner bei McKinsey fühle ich mich ganz und gar nicht als Quoten-Frau.“ Sie habe sich in männlich dominierten Feldern durchgesetzt. Studien hätten gezeigt, dass gemischt-geschlechtliche und internationale Arbeitsgruppen die besten Entscheidungen träfen und sie am effizientesten umsetzten, fügte sie hinzu. “Quoten-Frau ist vielleicht ein Begriff von gestern“, sagte Schick. “Man fühlt sich als Frau in solchen Positionen eher als Pionier-Frau.“

dpa

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