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Entlastung für Verbraucher: Gerade beim Heizöl sind die Preise zuletzt drastisch gefallen.

Inflation auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren

Die zwei Seiten der Teuerung

München - Die Preise steigen derzeit so langsam wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Das nützt den Verbrauchern, birgt aber eine erhebliche Gefahr in sich.

Die 1783 Druckmaschinen waren Tag und Nacht in Betrieb und doch wurden die Geldscheine knapp. Als die Phase der Inflation 1923 endete, hatte allein die Deutsche Reichsbank die unvorstellbare Summe von 524 Trillionen Mark gedruckt. Hinzu kamen über 700 Milliarden Mark an Notgeld.

Die Inflation in den 20er-Jahren brannte sich tief ins deutsche Gedächtnis ein und noch heute erschrecken vor allem alte Menschen, wenn das Wort Inflation die Runde macht. Innerhalb kurzer Zeit verloren Sparer ihr Vermögen, während die Staatsschulden mit Einführung der Rentenmark von heute auf morgen verschwunden waren.

Politiker und Notenbankiers treiben aber derzeit andere Sorgen um. Sie sind sich mit anderen Experten einig, dass derzeit die Deflation eine größere Bedrohung ist, dass Preise also sinken. In so einem Fall würden Konsumenten ihr Geld horten und nicht ausgeben. Mit gutem Grund: Denn ein Jahr später könnte man sich mit der selben Summe noch mehr Waren kaufen. Auch für den Euroraum rechnet die Europäische Zentralbank in diesem Jahr mit einer kurzfristigen Deflationsphase. Im März ist die deutsche Inflationsrate nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes auf den niedrigsten Wert seit fast 10 Jahren gesunken.

Die Teuerung betrug im Durchschnitt 0,5 Prozent im Vergleich zum März 2008. In Bayern lag die Inflationsrate bei 0,8 Prozent zum Vorjahresmonat. Gegenüber dem Februar sanken die Preise um 0,2 Prozent. Beim Heizöl lagen die Preise fast sieben Prozent tiefer als im Februar und über ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Doch wenn die Krise ausgestanden ist, könnte sich wegen der größeren Geldmenge das Problem umkehren und eine massive Inflation einsetzen.

Experten sehen die Inflationsgefahr in den USA deutlich höher als in Europa. Thorsten Schmidt vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI hält eine Teuerungsrate von 6 bis 8 Prozent in Amerika für denkbar. Joachim Scheide vom Institut IfW hält 4 bis 6 Prozent in den Jahren nach 2011 für möglich. Er betont aber zugleich, dass es sich nur um eine vage Prognose handelt.

Dass sich die Inflation der frühen 80er-Jahre mit einer Teuerung von mehr als 10 Prozent wiederholt, halten die Institute für unwahrscheinlich. In der Eurozone müssen sich Sparer wohl noch weniger Sorgen um ihr Vermögen machen, weil hier die Geldmenge nicht so stark wie in den USA aufgebläht ist und die Zentralbank weitgehend unabhängig von der Politik über die Preisstabilität wacht. „Es läuft auf ein schleichendes Ansteigen der Inflation hinaus“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er geht davon aus, dass die Teuerungsrate in den kommenden zehn Jahren im Euroraum zwischen 3 und 4 Prozent liegt.

Thomas Seythal

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