Zwei Versuche mit einer Milliarde: Haim Saban wird Kirchs Teil-Erbe

- München - Haim Saban würdigte den Abschluss mit einer denkwürdigen Erklärung: Er sei sehr erfreut und freue sich. So viel Freude hat einen Grund: Im zweiten Anlauf hat es der Medien-Milliardär aus Beverly Hills noch geschafft, den Fernsehkonzern Pro-Sieben-Sat.1 zu kaufen. Mit Saban freut sich die deutsche Bankenlandschaft über den größten Deal der deutschen Fernsehgeschichte: "Im Moment feiern alle", hieß es gestern in Verhandlungskreisen.

<P>Kurz zuvor hatte der Gläubigerausschuss von Kirch-Media grünes Licht gegeben, den Fernsehkonzern als lukrativsten Teil des insolventen Kirch-Konzerns an Saban zu geben. Vor zwei Monaten war der Handel noch geplatzt. Damit das Geschäft diesmal über die Bühne geht, soll in den nächsten Tagen nicht nur erneut ein Vertrag unterschrieben werden, sondern sofort das Geld fließen.</P><P>Insgesamt hat sich Saban laut Verhandlungskreisen verpflichtet, etwas über eine Milliarde Euro zu investieren. Rund 725 Millionen kostet ihn die Aktienmehrheit von 50,5 Prozent an dem nach eigenen Angaben größten deutschen Fernsehkonzern. Mit einer weiteren Kapitalerhöhung von 280 Millionen Euro soll die Senderkette wieder flott gemacht werden, nachdem sie zuletzt unter der Werbeflaute, vor allem auch unter der Ungewissheit nach der Kirch-Pleite gelitten hatte.</P><P>Dieses Mal holte sich Saban fünf Investmentgesellschaften als Finanzpartner ins Boot, in Branchenkreisen gilt jedoch als sicher, dass Saban die Kontrolle über den Konzern selbst übernimmt.</P><P>Saban hatte die vergangenen Wochen genutzt und legte ein Angebot vor, dass die vom ewigen Hin und Her entnervten Gläubigerbanken "sehr zufrieden" stellte, weil nun "das Geld auf dem Tisch" liegt, wie ein Beteiligter sagte. Wie es heißt, soll die Kaufsumme auf einem Konto der Großbank JP Morgan Chase bereitliegen und von dort sofort nach Unterschrift überwiesen werden.</P><P>Sabans Angebot bezog sich diesmal jedoch ausschließlich auf die Fernsehsenderfamilie. Leo Kirchs riesige Filmbibliothek, von den Gläubigerbanken einst als wertvolle Sicherheit eingestuft, ist nun nicht mehr Teil des Geschäfts. Europas größtes Film- und Serienarchiv droht damit zum Ladenhüter zu werden.</P><P>Saban könnte sich nun als der größte Gewinner der Kirch-Pleite erweisen. Vorausgesetzt, er hat Erfolg auf dem deutschen Fernsehmarkt, den schon viele ausländische Konzerne - etwa Rupert Murdoch, Disney oder der Kabelkönig John Malone _ (erfolglos) erobern wollten.</P><P>Künftig ist die Hälfte des privaten deutschen Fernsehmarktes in ausländischer Hand. "Sie müssen nicht erwarten, nur noch Hollywoodserien zu sehen", beschwichtigt Saban. Der 59-Jährige gebürtige Ägypter begann seine Medienkarriere - nach ersten Versuchen als Konzertmanager in Israel - als Produzent von TV-Musik in Paris. Einer seiner bekanntesten Erfolge war dabei die von dem Country-Pianisten Floyd Cramer komponierte Titelmelodie der Familiensaga "Dallas", die Saban Gewinn bringend vermarktete.</P><P>Mit seinem Vermögen zog er Anfang der achtziger Jahre nach Hollywood und produzierte Zeichentrickserien. Seinen ersten großen Verkaufserfolg hatte er mit der Karate-Comic-Serie "Power Rangers". Seinen Anteil am amerikanischen Fox Family TV verkaufte Saban schließlich mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro - Grundstock für sein neues Engagement in Deutschland.</P>

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