Zweite deutsche Bank im Sog der US-Krise

Leipzig/Dresden - Die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt hat erneut eine deutsche Bank in Bedrängnis gebracht. Die Sächsische Landesbank (Sachsen LB) erhielt kurzfristig einen Kredit von 17,3 Milliarden Euro von der Sparkassen-Finanzgruppe, um drohende Verluste durch Hypothekenanleihen am US-Immobilienmarkt auszugleichen.

Die Summe entspricht dem Gesamtwert der Sachsen-LB-Tochter Ormond Quay, einer Investmentgesellschaft mit Sitz im irischen Dublin. Diese geriet wegen Verpflichtungen aus einem US-Fonds in Zahlungsschwierigkeiten. Laut Sachsens Finanzminister Horst Metz (CDU) besteht für die Sachsen LB kein Insolvenzrisiko: "Wir hatten ein Liquiditätsproblem, und das ist dauerhaft und nachhaltig gelöst." Die Bundesbank und die Bundesfinanzaufsicht BaFin begrüßten das Vorgehen der Sparkassen-Finanzgruppe.

Vor etwa drei Wochen musste die Mittelstandsbank IKB (Düsseldorf) ähnliche Probleme einräumen: Durch Fehlspekulationen auf dem US- Hypothekenmarkt drohten Milliardenverluste. Die staatseigene Förderbank KfW, die mit 38 Prozent an der IKB beteiligt ist, hatte daraufhin eine Liquiditätslinie von 8,1 Milliarden Euro übernommen.

Die Sachsen LB geriet durch die von ihrer Tochter Sachsen LB Europe verwaltete Gesellschaft Ormond Quay in die Schieflage. Die Investmentgesellschaft habe sich aufgrund des schwierigen Marktumfelds bei Commercial Papers (CP) nicht mehr ausreichend refinanzieren können, teilte die Bank mit. Dadurch sei die Bonität des Geldinstituts gefährdet gewesen. CPs sind Anleihen mit sehr kurzer Laufzeit. Mit Hilfe der Finanzspritze können die Papiere bei ihrer Fälligkeit eingelöst werden.

Die Lösung über den Kredit der Sparkassen-Finanzgruppe bezeichnete Metz als "wichtiges Signal an den Markt und den Bürger". Es müssten keine Haushaltsmittel des Freistaates oder der Kommunen in Anspruch genommen werden. Sachsen stehe aber als Gewährträger hinter den eingegangenen Verpflichtungen. Die Kreditsumme soll über das operative Geschäft der Bank erarbeitet werden. "Wir haben gehandelt, bevor ein Problem entsteht", sagte Metz.

Laut Staatssekretär Wolfgang Voß hatte sich vor neun Tagen abgezeichnet, dass es zu Problemen bei der Liquidität der Bank kommen könnte. Vor gut einer Woche hatte das Institut noch alle Berichte über Probleme im Zusammenhang mit der Immobilienkrise zurückgewiesen. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im sächsischen Landtag, Holger Zastrow, warf der Bank vor, die Öffentlichkeit erneut getäuscht zu haben. Er forderte eine Sondersitzung des Finanzausschusses. Das Handeln der Landesbank sei undurchschaubar und riskant.

Dem Finanzministerium warf der FDP-Politiker eine von Intransparenz und Verharmlosung gekennzeichnete Informationspolitik vor. Die Marktkrise sei so nicht erkennbar gewesen, sagte dagegen Metz. Mit den Papieren, in die derzeit kaum jemand investieren wolle, sei lange gutes Geld verdient worden.

"Es handelt sich um ein temporäres Problem", sagte Bank-Sprecher Frank Steinmeyer. Hintergrund sei die anhaltende Marktstörung beim Absatz von verbrieften Krediten. Mit dem Kredit könne die Landesbank ihre Finanzierungsverpflichtungen jederzeit erfüllen. Die Investoren müssten keine Sorge um ihr Geld haben. Steinmeyer räumte ein: "Die Umstellung der Refinanzierung der Ormond-Quay-Struktur wird das Jahresergebnis der Sachsen LB belasten." 

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