Zweite Liga, erste Klasse: M-Dax auf neuem Rekord-Hoch

- München - An Deutschlands Börse ist die zweite Liga erste Klasse. Während der Dax meilenweit vom Rekordstand zu Börsenboom-Zeiten entfernt ist, notiert der M-Dax, Index der mittelgroßen Unternehmen, derzeit so hoch wie nie zuvor. Seit Jahresbeginn stieg er um fast 20 Prozent. Experten warnen allerdings: Die Luft wird dünner.

Von der Aareal Bank bis zum Automatenhersteller Wincor Nixdorf enthält der M-Dax die 50 börsennotierten Unternehmen Deutschlands, die gemessen an Handelsumsatz und Börsenwert hinter den 30 Dax-Werten rangieren. Auf Sicht von fünf Jahren notiert der M-Dax trotz des Börsencrashs nach dem Jahrtausendwechsel über 40 Prozent im Plus. Der Dax dagegen liegt im selben Zeitraum mit etwa 35 Prozent im Minus.

"Der Dax war in der New-Economy-Euphorie sehr hoch bewertet, der M-Dax im relativen Vergleich dagegen eher niedrig", erklärt Manfred Bucher, Analyst der Bayerischen Landesbank. Anleger stürzten sich auf die großen Konzerne sowie Technologietitel und ließen die mittelgroßen Unternehmen aus der vermeintlichen Old Economy links liegen. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis sei der M-Dax damals 60 Prozent niedriger bewertet gewesen als der Dax. Als die Spekulationsblase platzte, fielen die Verluste im M-Dax dementsprechend geringer aus als im Dax. Und seit die Börsentendenz wieder positiv ist, steigt der M-Dax schneller. Gegenüber ihrem Tief Anfang 2003 haben die mittelgroßen Werte bis heute fast 140 Prozent gutgemacht, die Dax-Titel rund 105 Prozent.

"Zum Teil sind es einzelne Werte, die sich besonders stark entwickelt haben und so den Index mitziehen", erklärt BayernLB-Experte Bucher. Zum Beispiel EADS: Der Kurs des Luft- und Raumfahrtkonzerns vervierfachte sich nahezu gegenüber seinem Tief Anfang 2003. Da EADS das größte Gewicht im M-Dax hat, wirkte sich das deutlich auf die Entwicklung des Index aus. Langfristiger Spitzenreiter ist der Sportartikelhersteller Puma, dessen Aktie auf Sicht von fünf Jahren ein Plus von fast 1300 Prozent erreicht hat.

Übernahmefantasie treibt die Kurse

Nach Ansicht von Christian Kahler, Analyst der DZ-Bank, hat Puma auch von der Euro-Stärke der vergangenen Jahre profitiert. Während die Kosten zum großen Teil in Dollar anfielen, würden nennenswerte Umsätze im Euro-Raum erzielt.

Er sieht auch in kurstreibenden Übernahme-Angeboten für M-Dax-Unternehmen - etwa für Wella oder Heidelberg Cement - einen Grund für das gute Abschneiden des Segments. Der M-Dax kletterte gestern zum Börsenschluss mit 6384,83 Punkten auf einen Höchststand. Das freut neben den Aktionären der gut abschneidenden Unternehmen auch Anleger, die - zum Beispiel über Indexzertifikate - an der Entwicklung des Segments teilhaben. Entsprechende Papiere, die die Wertentwicklung des M-Dax nachbilden, gibt es bei zahlreichen Instituten (unter anderem Bankgesellschaft Berlin, HSBC Trinkaus, Dresdner Bank, Deutsche Bank). Doch Experten warnen, dass es mit dem M-Dax nicht dauerhaft so steil bergauf gehen kann.

Mittlerweile hat die Bewertung gedreht: Während die Kurse der Dax-Unternehmen im Durchschnitt beim 12,2-fachen der erwarteten Gewinne lägen, betrage das Kurs-Gewinn-Verhältnis im M-Dax 14,8. Die mittelgroßen Unternehmen haben also einen Bewertungsaufschlag von gut 20 Prozent. "Das ist ein Argument, dass die Luft im M-Dax dünner wird", urteilt Bucher. Auch DZ-Bank-Experte Kahler glaubt: "Das Risiko, dass der M-Dax im Vergleich zum Dax schwächer abschneidet, steigt in den nächsten Monaten." Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser glaubt: "Der Dax wird sich wohl im zweiten Halbjahr stärker als der M-Dax entwickeln, weil er mehr Nachholbedarf hat."

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