Die zweite Miete steigt rapide: So zahlen Sie nicht noch mehr drauf

- Die steigenden Energiekosten treiben auch die Wohnungs-Nebenkosten in schwindelnde Höhen: "Seit 2000 ist der Aufwand für Licht, Heizung und Warmwasser zusammen bis ins laufende Jahr hinein um durchschnittlich gut 30 Prozent in die Höhe geschnellt", sagt der Direktor des Deutschen Mieterbunds (DMB), Franz-Georg Rips. Da jedoch noch eine Vielzahl weiterer Posten vom Vermieter auf den Mieter umgelegt werden kann, sollten diese bei der Betriebskostenabrechnung genau hinschauen. Denn: "Nahezu jede zweite Abrechnung enthält Fehler", sagt Sibylle Färber, Geschäftsführerin des Mietervereins München.

Für einen Drei-Personen-Haushalt in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung sei die jährliche Belastung um gut 300 Euro höher als noch vor fünf Jahren, hat der DMB ausgerechnet. Doch nicht nur die Nebenkosten-Klassiker Strom, Heizung und Wasser können auf den Mieter umgelegt werden. Die Betriebskostenverordnung, die seit Januar 2004 in Kraft ist, kennt insgesamt 17 Betriebskostenarten, die auf die Mieter umgelegt werden können.

Definition im Vertrag

"Grundsätzlich muss die Umlegung der Betriebskosten im Mietvertrag geregelt sein", sagt Färber, "ohne mietvertragliche Regelung kann gar nichts umgelegt werden." Unter Umständen kann den Mieter eine falsche Betriebskostenabrechnung ziemlich teuer kommen. "Das können nur Kleinigkeiten sein, die Fehler können sich aber auch schnell zu schmerzlichen Beträgen addieren", sagt Färber. Und: "Es wird eine ganze Menge falsch gemacht."

Abrechnungszeitraum

Mieter sollten bei der Betriebskostenabrechnung auf einige Punkte achten: "Zuerst sollte man schauen, ob sich die Abrechnung auch tatsächlich auf den angegebenen Abrechnungszeitraum bezieht", rät die Geschäftsführerin des Mietervereins.

Gerne verstecken Vermieter auch Reparaturkosten, etwa für den Aufzug, in den Wartungskosten. Das ist besonders dann schwer zu erkennen, wenn der Vermieter Wartungsverträge abgeschlossen hat, die auch Reparaturen mit einschließen. "Reparaturkosten dürfen grundsätzlich nicht umgelegt werden", so Färber.

Hausmeisterkosten

Auch bei den Hausmeisterkosten gibt es öfters Probleme. "Auf keinen Fall dürfen Verwalterkosten umgelegt werden, wenn zum Beispiel der Hausmeister die Neuvermietung oder das Herrichten von Wohnungen übernimmt", so die Expertin. Diese Kosten müssen aus der Abrechnung herausgerechnet werden.

Fehler korrigieren

Sollten Mieter Schwierigkeiten haben, die Betriebskostenabrechnung zu verstehen, weil die einzelnen Posten nicht ausreichend erläutert sind, sollte der Vermieter aufgefordert werden, das nachzuholen. Auch wenn tatsächlich nicht umlegbare Posten auf der Abrechnung auftauchen, sollte der Vermieter zuerst aufgefordert werden, die Fehler zu korrigieren, ehe weitere Schritte in Erwägung gezogen werden.

Kommt dem Mieter die Betriebskostenabrechnung zu hoch vor, hilft ein Blick in den Mietspiegel, wie ihn auch die Stadt München alle zwei Jahre erstellt. Dort sind die durchschnittlichen Betriebskosten angegeben (siehe Grafik). "Ist die Umlage weit höher als der Durchschnitt, kann das ein Indiz für versteckte Kosten sein", sagt Färber. In diesem Fall sollte der Mieter die einzelnen Rechnungen anfordern, die der Abrechnung zu Grunde liegen.

Wirtschaftlichkeit

Grundsätzlich muss der Vermieter laut Gesetz das Gebot der Wirtschaftlichkeit beachten, das heißt: Er kann nicht nach eigenem Gutdünken Kosten verursachen und diese dann umlegen. "Wenn der Hausmeister wie ein Top-Manager bezahlt wird, muss das der Mieter nicht übernehmen", sagt Färber. Der Vermieter muss aber nicht das allerbilligste Angebot nehmen.

Mieterverein hilft

Generell rät die Expertin, sich bei Zweifeln an der Richtigkeit der Betriebskostenabrechnung gleich an den nächsten Mieterverein zu wenden. "Betriebskostenabrechnungen sind sehr kompliziert, besonders bei größeren Wohnanlagen. Manchmal sind auch die Vermieter bei der Erstellung der Abrechnung überfordert", so Färber.

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