Zweiteinkommen: Futter für den strapazierten Geldbeutel

- Der Markt für Nebenjobs boomt. Weil laut Statistikern die Ausgaben in Familienhaushalten während der vergangenen Jahre um etwa 15 Prozent gestiegen sind, setzen immer mehr Menschen auf ein Zweiteinkommen. Wer sich einen Nebenjob sucht, sollte auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen gut Bescheid wissen.

<P>Angaben beim Chef</P><P>Grundsätzlich braucht es keine Genehmigung des Arbeitgebers für eine Nebentätigkeit. Allerdings: Die Ausübung eines Nebenjobs kann im Arbeitsvertrag eingeschränkt oder sogar ausgeschlossen sein. Auch betriebs- oder tarifrechtliche Regelungen im Vertrag könnten eine entsprechende Klausel enthalten. </P><P>Vertraglich verbieten kann der Arbeitgeber den Nebenjob aber nur, wenn er berechtigtes Interesse daran geltend machen kann: wenn zum Beispiel die Nebentätigkeit mit dem Hauptberuf nicht vereinbar wäre. Während des Urlaubs (besondere Genehmigung des Arbeitgebers nötig) oder einer Erkrankung eine Zweittätigkeit auszuüben, ist meistens nicht erlaubt. Grundsätzlich raten Experten: gegenüber dem Arbeitgeber mit offenen Karten spielen.<BR><BR>Nebenjobs während der Arbeitslosigkeit müssen unaufgefordert dem Arbeitsamt mitgeteilt werden. Übrigens: Wer mehr als 15 Stunden in der Woche arbeitet, gilt nicht mehr als erwerbslos.<BR><BR>Scheinbar selbstständig</P><P>In den 90er-Jahren gingen immer mehr Arbeitgeber dazu über, keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse mehr einzugehen. Arbeitnehmer wurden als scheinbar Selbstständige beschäftigt. "Scheinbar", weil die Arbeitnehmer meist weisungsgebunden und auf die Aufträge ihres Hauptunternehmers angewiesen sind - alles andere als selbstständig also. Laut dem Gesetz zur Förderung der Selbstständigkeit gilt aber: Wer faktisch als Arbeitnehmer anzusehen ist, wird in vollem Umfang sozialversicherungspflichtig. </P><P>Der Chef wird dann zum Arbeitgeber, der die obligatorischen Beiträge zur Sozialversicherung zahlen muss. Wer sich einen Nebenjob sucht, sollte also prüfen, ob es sich um eine Scheinselbstständigkeit handelt. Dafür gibt es Anhaltspunkte: etwa wenn keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer angestellt werden, auch keine 400-Euro-Kräfte, der Arbeitnehmer dauerhaft an nur einen Auftraggeber gebunden ist und es sich um typische Arbeitnehmertätigkeiten handelt. Ein Beispiel für die Scheinselbstständigkeit ist der selbstständige Lkw-Fahrer ohne eigenen Lkw.<BR><BR>Mini-Job-Regelung</P><P>Seit dem 1. April gibt es die "Mini-Job-Regelung". Mit dieser Regelung statt der "geringfügigen Beschäftigung" hat sich einiges geändert. Unter anderem ist die Entgeltgrenze von 325 auf 400 Euro gestiegen (für Arbeitnehmer frei von Steuern und Sozialabgaben), die 15-Stunden-Regelung für die Wochenarbeitszeit entfällt. Versicherungsfrei sind die Aufgaben aber nur, wenn der Jobber damit nicht mehr als 400 Euro verdient. </P><P>Oder wenn er nur eine geringfügig entlohnte Beschäftigung neben dem Hauptberuf ausübt. Jede weitere ist versicherungspflichtig. Wer für höchstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage eine Aushilfstätigkeit annimmt, gilt als kurzfristig beschäftigt - solange das Einkommen 400 Euro nicht übersteigt. Auch hier müssen keine Sozialversicherungsabgaben bezahlt werden.<BR><BR>Nebenbei absichern</P><P>Wer einen Nebenjob ausübt, sollte mit der privaten Haftpflichtversicherung abklären, ob im Vertrag Risiken des Nebenjobs mitversichert sind. Nein? Dann sollte der Vertrag erweitert werden oder eine spezielle Berufshaftpflicht für den Nebenjob abgeschlossen werden.<BR><BR>Infos zum Nebenjob gibt es in einem Ratgeber der Verbraucherzentrale. Für 8,90 Euro ist er in allen Beratungsstellen und unter (0180) 500 14 33 erhältlich.<BR></P>

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