Zweiter Anlauf: Siemens will Konkurrenten in Österreich kaufen

- München/Wien - Im zweiten Anlauf will Siemens seinen österreichischen Konkurrenten VA Tech übernehmen. Nachdem der erste Versuch Anfang September am Widerstand von Belegschaft und Politik in Österreich gescheitert war, sieht der Münchner Konzern diesmal "positive Signale". Siemens ist der Zukauf über 840 Millionen Euro wert. Gewerkschaften befürchten Stellenabbau.

<P>"Da für eine freundliche Übernahme keine positiven Rahmenbedingungen gegeben sind, ist das Thema der Übernahme für die Siemens AG Österreich erledigt." Das teilte die dortige Konzerntochter vor genau zwei Monaten mit. Jetzt sieht es ganz anders aus. Damals wollte Siemens die VA Tech angeblich gemeinsam mit dem österreichischen Industrie-Investor Mirko Kovats übernehmen. Beschäftigte demonstrierten vor der Siemens-Zentrale in München und die österreichische Bundesregierung plante Abwehrstrategien. Jetzt setzt Siemens zum Alleingang an und scheint gute Chancen zu haben.<BR><BR>Siemens kaufte von Kovats dessen VA-Tech-Beteiligung in Höhe von 16,5 Prozent. Damit sind die Münchner der wichtigste Einzelaktionär bei Österreichs größtem Technologie-Konzern, der zuletzt knapp vier Milliarden Euro umsetzte. Und ihr Ziel ist die vollständige Übernahme. "Wir streben eine 100-prozentige Eigentümerschaft an", sagte Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner. Deshalb kündigte Siemens ein freiwilliges Übernahmeangebot in Höhe von 55 Euro pro VA-Tech-Aktie an. Dies entspricht einer Prämie von knapp acht Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag.<BR><BR>Der österreichische Staat ist über die Beteiligungsgesellschaft ÖIAG mit etwa 15 Prozent an VA Tech beteiligt. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein begrüßte die Pläne von Siemens. Die VA Tech sei ein Schlüsselunternehmen, für das die Regierung stabile Eigentümer haben wolle. Es sei davon auszugehen, dass Siemens Österreich ein verantwortungsbewusster Partner sei.<BR><BR>Allerdings sind mehrere Hürden zu nehmen. Nach dem ersten Kauf-Versuch hat die österreichische Übernahmekommission eine einjährige Sperrfrist gegen Siemens verhängt. Demzufolge dürfte der Siemens-Anteil bis 8. September 2005 die 20-Prozent-Marke nicht erreichen. Nach Angaben des Wirtschaftsministers sei von der Kommission zu prüfen, inwieweit die einjährige Sperrfrist im Interesse der Anleger verkürzt werden könne. "Wir bemühen uns um eine rasche Entscheidung, um Unruhe im Markt zu vermeiden", sagte der Chef der Kommission, Peter Doralt.<BR><BR>Abgesehen davon deutete Siemens mögliche kartellrechtliche Probleme an. Insbesondere im Wasserkraft-Geschäft sei dies von Bedeutung. Hier besteht bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit Voith in Österreich.<BR><BR>Angesichts der breiten Streuung der VA-Tech-Aktien sei abzuwarten, ob es Siemens gelingt, die Aktionäre mehrheitlich von seinem Konzept zu überzeugen, urteilte Roland Pitz, Analyst der HypoVereinsbank: "Abgesehen von der Höhe des Angebots muss man dabei auch ein positives Umfeld schaffen, das etwa auch Mitarbeiter-Aktionäre zufrieden stellt." Der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Fritz Verzetnitsch, forderte, die ÖIAG müsse "als verantwortungsvoller Kernaktionär aktiv an der Gestaltung der Zukunft der VA Tech beteiligt bleiben" und dürfe nicht zur "Ausverkaufsholding" werden. Die IG Metall teilte mit, die Beschäftigten befürchteten "massiven Stellenabbau". Man schätze die Übernahme nicht als Ergänzung des Siemens-Portfolios ein, sondern als "Ausschalten eines Wettbewerbers". Auch VA-Tech-Chef Klaus Sternetz warnte gegenüber dem "Handelsblatt" vor "Parallelstrukturen". Zwar versprach Siemens, an den wichtigsten VA-Tech-Standorten festhalten zu wollen. Aber Hochleitner stellte klar: "Die Arbeitsplätze bei VA Tech können wir genauso wenig garantieren wie etwa die Siemens-Arbeitsplätze."<BR></P>

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