Der Zwerg tritt weiter aufs Gas

- Barcelona ­- Der Mini wird für BMW mehr und mehr zum Zugpferd. Binnen weniger Jahre hat sich der automobile Zwerg vom Nischenprodukt zurück zum Verkaufsschlager gemausert. Mit einer neuen Generation will der Münchner Autobauer den Absatz weiter nach oben treiben und den Wettbewerbern davonfahren. Der erste Mini wurde aus der Not heraus geboren, wie in den Geschichtsbüchern von BMW geschrieben steht.

Demnach hat 1957 hat der damalige Chef der British Motor Corporation seine Ingenieure angewiesen, einen Kleinwagen zu entwickeln, der wenig Sprit schluckt. Nicht etwa ein früher Gedanke an den Umweltschutz war der Grund dafür, sondern der ägyptische Präsident Nasser. Der hatte kurz vorher den Suez-Kanal dicht gemacht, Europa so vom direkten Zugang zu den Öl-Vorkommen im Mittleren Osten abgeschnitten und die Kraftstoffpreise explodieren lassen. 1959 rollte schließlich der erste Mini vom Band.

Die Zeiten, in denen Öl als Druckmittel genutzt wird, sind heute vorüber. Der Kleinwagen aber braust noch immer über die Straßen dieser Welt und hat sich dabei kaum verändert ­ was sich auch an der neuen Mini-Generation zeigt, die BMW gerade in Barcelona vorgestellt hat. Zwar brummt unter der Haube ein spritzigerer Motor. Auch das Interieur wurde modernisiert; so zuckt die Tachonadel in einer großen kreisrunden Anzeige, die auf der Mittelkonsole angebracht ist. Doch die Formsprache in der 47-jährigen Mini-Geschichte ist gleich geblieben: Vorne kullern große Scheinwerfer-Augen, dazwischen grinst der Kühlergrill und am bulligen Fahrgestell spannt sich ein kurviges Blechkleid.

Für die behutsame Weiterentwicklung der Optik gibt es einen triftigen Grund. "Das Design ist mit das entscheidende Verkaufsargument", sagt Mini-Produktmanager Markus Krieg. Größere Sprünge hätten womöglich die Fan-Gemeinde des Winzlings verprellt und das will man bei BMW auf jeden Fall vermeiden. Denn der kleine Flitzer ist nach dem 3er und 5er zu den gefragtesten Baureihen des Konzerns. Jeder siebte verkaufte Wagen ist bereits ein Mini ­ was in anderen Abteilungen des Unternehmens nicht ohne Neid beobachtet wird.

Das Geheimnis des Erfolgs ist allerdings nicht nur die knuffige Optik. "Entscheidend ist das Ineinandergreifen von Produkt und Marke", sagt Marken-Chef Kay Segler. Große Summen hat BMW in die Werbung gesteckt, um den Mini bei der Zielgruppe ins rechte Licht zu rücken. Gut ausgebildete trendige junge Menschen gehören dazu, die ebenso gut verdienen. Anders könnten sie sich den Kleinen auch nicht leisten: Der Cooper S, der in wenigen Wochen zu haben sein wird, kostet mit 21 000 Euro doppelt so viel wie ein Opel Corsa.

Vor gut sechs Jahren hätte kaum einer bei BMW damit gerechnet, dass so viele Menschen bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. Damals brachten die Münchner einen technisch komplett modernisierten Mini auf den Markt. Die Marke war ihnen nach der Rover-Übernahme 1994 in die Hände gefallen. Der Zwerg war da zwar noch immer populär, fristete aber nur noch ein Nischen-Dasein. Das breite Publikum verschreckte die lebensgefährlich schmale Knautschzone. Ende der 90er sanken die Verkaufszahlen auf 20\x0f000 pro Jahr, nachdem es in den 70ern 200 000 waren.

BMW kalkulierte nach der Wiederbelebung des Kultwagens nur mit halb so viel Absatz. Doch die Prognose entpuppte sich schnell als falsch. Vergangenes Jahr produzierte die Mini-Fabrik in Oxford mit 180\x0f000 Stück bereits hart an der Kapazitätsgrenze, nachdem der Absatz zuvor kontinuierlich angewachsen war. Seit der Markteinführung im Jahr 2000 wurden bereits 875 000 Minis verkauft. Die Nachfrage ist so groß, dass selbst Mitarbeiter Probleme haben, einen Kleinen als Firmenwagen zu bekommen.

Vermutlich müssen sie noch länger BMW fahren, denn niemand erwartet derzeit, dass der Boom bald abflacht. Schon 2008 könnte das mittlerweile auf 240 000 Fahrzeuge erweiterte Oxford voll ausgelastet sein, wie es heißt. Zumal im kommenden Jahr mit einer weniger PS-starken Variante und einem Diesel weitere überarbeitete Modelle auf den Markt kommen. Auch ein komplett neuer Kombi ist geplant, von dem bereits Entwürfe zu sehen waren. Produktmanager Krieg: "Das Standbein Mini wird weiter ausgebaut.

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