Zwischen Gabelstapler und Dreirad: Schröder beschwört Aufschwung

- Hannover - Für den Kanzler schien der alljährliche Rundgang auf der Hannover Messe ein perfekter Auftritt zu sein: Mit dem Staatspräsidenten Kasachstans gab er den Staatsmann, im Gespräch mit Technikern zeigte er sein Interesse für die Industrie und nebenbei blieb reichlich Gelegenheit für die kleinen Scherze am Rande, für die er bekannt ist.

<P>Gerhard Schröder (SPD) versuchte, Zuversicht für die deutsche Wirtschaft zu verbreiten. Das verbesserte Investitionsklima für Konsumgüter im Inland sei ein Zeichen dafür, dass die deutsche Industrie nicht nur im Export erfolgreich sei, sondern auch auf dem Binnenmarkt. "Das, denke ich, wird dazu führen, dass der Aufschwung, der sichtbar geworden ist im ersten Quartal, sich fortsetzen und verstärken wird, insbesondere im dritten und vierten Quartal", so Schröder.<BR><BR>Deutsche Unternehmen beurteilen die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin skeptisch. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich um nicht mehr als 1,5 Prozent zulegen, berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nach einer Befragung von insgesamt 1133 Unternehmen. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband der Deutschen Industrie. Die Bundesregierung rechnet mit einem Wachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent.<BR><BR>Die Maschinenbauindustrie warnte vor einer Verlangsamung des Reformtempos. Die aktuellen Diskussionen um die Ausbildungsplatzabgabe oder die Erbschaftssteuer seien ein "Tritt vor das Schienbein der mittelständischen Unternehmen", kritisierte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Diether Klingelnberg.<BR><BR>Von Dezember bis Februar stiegen die Auftragseingänge im Maschinenbau um 15 Prozent. Der Beschäftigungsabbau gehe trotzdem weiter, so Klingelnberg. Auch die deutsche Stahlindustrie spürt trotz kräftig gestiegener Rohstoffpreise ein Anziehen der Konjunktur. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, erwartet für das laufende Jahr eine Produktion von 46 Millionen Tonnen, 3,3 Prozent über dem Stand des Vorjahrs.<BR><BR>Auf der Hannover Messe zeigen bis Samstag 5040 Aussteller aus 61 Ländern Produkte rund um die Automations- und Produktionstechnik. Dabei zählen auch erneuerbare Energien zu den Schwerpunkten der diesjährigen Messe. Bei einem der weltweiten Marktführer im Bereich der Wärmedämmung, Schüco, informierte sich Schröder über die Aussichten für die umweltfreundliche Technik. "Es kommt Wachstum aus diesem Bereich", stellte der Kanzler zufrieden fest.<BR><BR>Später wurde von Schröder auch Körpereinsatz verlangt - beim Erklimmen eines Gabelstaplers mit Brennstoffzellenantrieb bei der Firma Still. Souverän und sportlich sprang der 60-Jährige nach der obligatorischen Pose für die Fotografen vom Fahrzeug. Doch schon am nächsten Stand war der Kanzler wieder hinter dem Lenkrad: Beim Automations-Spezialisten Festo aus Esslingen setzte er sich auf ein Dreirad mit Pneumatikantrieb.<BR><BR>Nach den Anstrengungen gab es für den Kanzler auch eine Erfrischung - ein frisch gezapftes Pils mit dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Das Land präsentiert sich erstmals auf der Messe. Schröder kündigte mehr wirtschaftliche Kooperation an.<BR><BR>Einen Erfolg konnte der Kanzler für die heimische Industrie verbuchen. Schröder überreichte dem bayerischen Unternehmen Estop aus Grafrath (Landkreis Fürstenfeldbruck) den erstmals vergebenen und mit 100 000 Euro dotierten Technologiepreis Hermes Award für seine mechatronische Keilbremse. <BR></P><P> </P>

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