Zwischen Genen und Biersinn

- München - In Schweden soll sich zeigen, ob sich gentechnisch veränderte Lebensmittel (GV) in Europa durchsetzen. Knapp drei Monate bevor Waren mit genmanipulierten Substanzen gemäß einer EU-Verordnung markiert werden müssen, wird in Schweden das erste so gekennzeichnete Produkt in den Regalen auftauchen: ein Lagerbier mit verändertem Mais. Was die Brauer für einen guten Marketing-Gag halten, wird der Industrie einen Hinweis darauf geben, ob die Verbraucher im Supermarkt tatsächlich einen so großen Bogen um GV machen, wie sie es in Umfragen vorgeben.

<P>Während Greenpeace und andere Naturschützer die Anbieter veränderter Lebensmittel brandmarken, wirbt die schwedische Brauerei Österlenbryggarna mit der Genmanipulation, wie das "Wall Street Journal Europe" berichtet. "Das Bier, das Sie in der Hand halten ist ein einzigartiges Produkt. Es ist das erste als GV gekennzeichnete Nahrungsmittel in Schweden", soll es auf dem Etikett des Lagerbiers "Kenth" heißen. Es dürfte das erste in ganz Europa sein. Neben den üblichen Ingredienzen enthalte das Gebräu veränderten Mais. Und das will die schwedische Brauerei auf dem Flaschen-Etikett als Beitrag zum Umweltschutz verkaufen: "Es werden grundsätzlich weniger Pestizide auf diesen Mais gesprüht, was Kenth zu einem umweltfreundlicheren Produkt macht. Der Mais verbessert auch den Geschmack."</P><P>Der Lebensmittel-Industrie wird "Kenth" einen ersten Hinweis auf das Verbraucherverhalten geben. In Umfragen lehnen die Menschen veränderte Lebensmittel ab. Zuletzt erklärten bei einer Studie der Welthungerhilfe rund 75 Prozent der Befragten, nicht oder eher unwahrscheinlichen Falls zu derartigen Produkten zu greifen. Nur muss dieses Bekenntnis nicht mit dem tatsächlichen Kaufverhalten übereinstimmen. Auch Bier in Plastikflaschen missfällt Verbrauchern laut Umfragen. Trotzdem wird es inzwischen in großer Zahl verkauft. Ob die Verbraucher in Sachen Gentechnik empfindlicher sind? "Ich glaube wirklich nicht, dass sich die Leute, darum kümmern werden", sagte Brauerei-Chef Kenth Persson dem "Wall Street Journal Europe".</P><P>Aus Angst vor Ablehnung der Verbraucher und auf Druck von Umweltorganisationen haben sich zahlreiche Lebensmittel-Hersteller und Ladenketten gegen GV-Produkte entschieden. Greenpeace hat bei 400 Unternehmen angefragt. 90 Prozent davon verzichten demnach auf veränderte Produkte oder wollen dies künftig tun. Dazu zählen Adelholzener, Coca-Cola und die Paulaner-Brauerei ebenso wie Mars und Bahlsen, Tengelmann, Aldi, Rewe und Karstadt. Auch in anderen europäischen Ländern sind Produzenten und Händler zurückhaltend. Ob der Mischkonzern Unilever oder die Supermarkt-Ketten Carrefour (Frankreich) und Sainsbury (England) - viele setzen auf Gentechnik-Freiheit.</P><P>Dabei wird die Kennzeichnung der GV-Lebensmittel dezent ausfallen. Meist reicht der Zusatz "genetisch verändert" in der Liste der Inhaltsstoffe auf der Packung aus, wie die entsprechende EU-Verordnung festlegt.<BR></P>

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