Zwischen Tante Emma und Onkel Aldi

- München - Die Billig-Welle, unter der vor allem auch die Lebensmittelgeschäfte gelitten haben, ebbt offenbar etwas ab. Um mehr Kunden in ihre Läden zu locken, hätten einige Einzelhändler beste Markenprodukte unter Einstandspreis angeboten. "Nach wie vor herrscht ein mörderischer Preis- und Verdrängungswettbewerb", sagte Hans Jürgen Bönsch, Vizepräsident des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels.

<P>Allerdings stießen die Discounter trotz aggressiver Preispolitik nach Jahren der Expansion zum ersten Mal an ihre Grenzen. Laut Euro-Handelsinstitut landen von 100 Euro, die die Kunden für Essen und Trinken ausgeben mittlerweile 40 in den Kassen der Discounter. Nach Bönschs Aussage achten die Verbraucher beim Einkaufen offenbar wieder stärker auf Qualität und Service, wollten diese jedoch zu Discountpreisen haben.</P><P>Eine Belebung des Konsumverhaltens erwartet er erst, wenn die Bürger wieder mehr Vertrauen in die Zukunft fassten. "Nur wenn die Politik die Rahmenbedingungen verändert, werden auch die Verbraucher mehr Vertrauen in eine positive Zukunft bekommen", so Bönsch.</P><P>Preiserhöhungen seien derzeit beim Endverbraucher kaum durchzusetzen, auch wenn sie erforderlich seien, wie etwa beim Schweinefleisch: China kaufe Riesenmengen, was dazu führe, dass die Preise der Rohware stiegen und stiegen. Aber die Menschen seien zu sehr an die niedrigen Preise gewöhnt. "Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und hat die niedrigsten Lebensmittelpreise", sagte Michael Schellenberger, Geschäftsführer Deutscher Fachverlag ("Lebensmittel Zeitung"). </P><P>Seiner Meinung nach müsste der Lebensmitteleinzelhandel sich weg von der Beschaffung hin zum Marketing neu ausrichten. Der Kunde gehöre in den Mittelpunkt. Ein Beispiel sei der vergangenes Jahr von Metro eröffnete "Future Store" in Rheinberg. Der Kunde solle sich in dem Geschäft mit Hilfe geballter Elektronik besser zurechtfinden und damit auch schneller einkaufen können. "Das ist ein bisschen so die Mischung aus Tante Emma und Onkel Aldi", umriss Schellenberg das Konzept. Auch die Erfolge der vielen Märkte, die nicht unbedingt günstiger als Discounter seien, zeige, dass viele Menschen darin mehr Vertrauen hätten. </P><P>Bayerns Händlern ging es 2004 besser als ihren Kollegen in den anderen deutschen Ländern. Der nominale Umsatz des Bayerischen Lebensmitteleinzelhandels wuchs um 0,9 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, während er für Gesamtdeutschland um 0,5 Prozent auf 151,6 Milliarden Euro sank.</P>

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