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Thomas Kaspar

Leserkommentare

Liberalitas Bavariae - Für freien Meinungsaustausch

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München - Der Ton in den Leserkommentaren bei Merkur.de wird immer härter. Wir sagen stopp und gehen künftig strenger dagegen vor. Ein Appell für eine bessere Diskussionskultur:

„Den sollte man vergasen.“ „Einen Eimer nehmen und alle wegschwemmen.“ Diese Sätze sind nicht erfunden. Es reicht heute, einen Artikel mit einem Reizwort zu veröffentlichen. „Ausländer“, „Flüchtling“, „3. Startbahn“ oder der Name von Politikern oder mancher Ehrenamtlicher lösen den Shitstorm-Reflex aus: Hirn abstellen, und ungebremst wird alles in das Kommentar-Feld geschrieben, wie es gerade hochkommt.

Unser Kommentar zum 3. Oktober „Darum habe ich gerade Angst vor Deutschland“ hat einen traurigen Rekord gebrochen. Noch nie mussten wir bei Merkur.de so viele Beiträge von Nutzern löschen. Doch gerade weil wir ernsthaft über Themen reden müssen, darf die Reiz-Reaktions-Spirale sich nicht immer schneller drehen.

Die Gemäßigten überlassen den Schreihälsen das Feld

Wir stehen vor großen Fragen und können sie nicht mehr gemeinsam diskutieren? Das kann, das darf nicht sein. Egal ob etwas linker oder etwas konservativer – immer weniger Leser tun sich die Hetzjagd in den Kommentaren unter einem Artikel noch an. Die Gemäßigten und Gescheiten überlassen den Schreihälsen und intellektuellen Schiffschaukel-Bremsern das Feld. Wir müssen das ändern!

Viele Nachrichtenportale geben auf und schließen generell die Kommentare unter ihren Artikeln. Wir glauben noch immer an freie Meinungsäußerung. Auf Merkur.de dürfen bis heute Gastnutzer Kommentare schreiben. Wir würden das gern beibehalten. Denn das Internet bietet die Chance zum direkten Austausch. Viele können sich beteiligen. Doch in dieser Form ist das Internet kaputt. Es wird Zeit, dass wir es reparieren!

Merkur.de zieht die Notbremse: Stopp!

Es ist schon viel gesagt worden über die Verrohung der Diskussionskultur im Internet. Nur eines noch nicht: Stopp, es geht so nicht weiter! Wir bei Merkur.de ziehen mit dem heutigen Tag die Notbremse.

Merkur.de hat schon immer eine hohe Diskussionskultur. Wir werden nun noch stärker darauf achten. Es gelten drei ganz einfache Regeln:

  1. Keine Hetze
  2. Keine Beleidigungen
  3. Betrugs-Accounts werden sofort gelöscht

Wie würden Sie mit Ihrem Nachbarn reden?

Liebe Leser von Merkur.de: Wenn Sie es bislang aufgegeben haben, sich zu beteiligen - jetzt ist es wichtig, dass Sie mitmachen! Leben Sie vor, wie ein lebendiger, sachlicher Dialog geht. Dabei geht es nicht darum, dass Sie uns nach dem Mund reden. Weisen Sie uns auf sachliche Fehler hin, bereichern Sie uns mit guten Argumenten. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen.

Unser Wunsch: Respektieren Sie die Vielfalt. Und bitte lesen Sie auch die anderen Kommentare und ziehen diese mit in Betracht, bevor Sie schreiben. Nichts ist umwerfender, als ein Argument seines Gegenüber aufzugreifen und darauf zu antworten. Für uns als Heimatzeitung hilft eine einfache Richtschnur: Stellen Sie sich vor, Sie treffen Ihren Gesprächspartner nachher beim Bäcker. Schreiben Sie im Internet genauso freundlich, wie Sie mit Ihrem Nachbarn reden würden. Und vielleicht zählen Sie innerlich noch einmal bis zehn, bevor Sie Ihren Kommentar absenden.

Unser Community-Team unterstützt Sie dabei und sorgt dafür, dass wir zu einer Sachdiskussion zurückkehren. Das hat nichts mit Zensur zu tun. In einer Wirtschaft können Sie auch nicht lautstark rumschreien und sich dann wundern, dass Sie kein Bier bekommen. So ist es auch bei uns: Wir legen schlicht Wert auf gutes Benehmen.

Wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen, wenn Ihnen etwas unklar ist, bitte schreiben Sie mir per Mail, hier als Kommentar oder auf meiner Facebook-Seite. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

+++ Update von 19:25 Uhr +++

Was wir aus der Diskussion gelernt haben

Vielen Dank für die rege Diskussion heute. Die ersten Erkenntnisse daraus:

  • Fast alle Leser wünschen sich eine sachliche Diskussion (zurück), wissen aber nicht recht, wie das gelingen kann.
  • Diskussionen schaukeln sich schnell bei Reizthemen hoch. Dabei haben manchen Nutzer eine lange Debatten-Geschichte mit einander, die sich schnell erneut entzündet.
  • Das Löschen von Kommentaren ist nicht transparent genug. Wir können deutlicher machen, gegen welchen Punkt der Netiquette ein Beitrag verstößt.
  • Wir arbeiten mit einer so genannten Black List: Bestimmte Reizwörter oder Verweise zu externen Internetseiten führen dazu, dass ein Kommentar erst einmal unsichtbar geschaltet wird. Das verstehen manche Nutzer nicht.
  • Persönliches Fazit: Es hat sich manches angestaut. Ich spüre aber eine große Bereitschaft, die Kommentare unter unserem Merkur mit neuem Leben zu erfüllen.

+++ Update am 12. Oktober 2016 +++

Was wir nach der Diskussion ändern

Das Community-Team muss für die Leser schnell erreichbar sein. Deswegen haben wir einen eigenen Kanal eingerichtet, das Rote Telefon bei Kommentar-Problemen. Darüber können sich Nutzer direkt an mich und an Caren Berger, die Community Managerin, wenden.

Eine Reihe von Kommentaren wurden in der Vergangenheit (und werden auch in Zukunft) unsichtbar geschaltet, wenn sie die Diskutanten zu weit vom Thema des Artikels entfernen. Schade daran ist, dass diese Off-Topic-Gespräche für den Austausch der Leser sehr wichtig sind. In Zukunft gibt es einen eigenen Ort dafür, das Merkur.de-Kaffeehaus. Viel Spaß beim Austausch dort!

Weiter Verbesserungen werden folgen.

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