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„Schwarz-Rot-Gold“ - und wie sieht Ihr Balkon aus?

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Deutschlandfahnen und -Farben: Wie patriotisch zelebrieren Sie die Fußball-WM?

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Um das gemeinsame Singen der deutschen Nationalhymne gibt es immer wieder Diskussionen. Auch Fahnenschwenker rufen regelmäßig die Mahner auf den Plan. Weshalb eigentlich? 

Pünktlich zur WM in Russland sind etliche Balkone und Häuserfassaden sowie Autos mit deutschen Fahnen und Farben dekoriert - ganz Fußballdeutschland ist sich eins: Wir halten zusammen und feuern „unser Team“ an. Ganz Fußballdeutschland? Nein, das „moralische Ankerzentrum der Republik“ (Die Welt über Claudia Roth) schreitet wie bestellt ein und warnt vor „nationaler Selbstbeweihräucherung“, denn wie sie weiß: „Uns Deutschen steht es gut zu Gesicht, wenn wir Zurückhaltung walten lassen.“ Immerhin: „Natürlich darf man sich freuen, wenn die deutsche Mannschaft gut spielt und gewinnt. Ich will auch niemandem verbieten, ein Fähnchen aufzuhängen.“

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Gesangsmuffel Walter, Beckenbauer, Vogts & Co.

Für viele Zuschauer ist das Tragen der Farben, aber auch das Singen der Nationalhymne ein Bekenntnis zur Nation. Die Spieler einer Nationalmannschaft sind Repräsentanten und Vertreter des jeweiligen Landes. Doch während in den meisten Teams das Mitsingen eine Selbstverständlichkeit ist und für das Zusammengehörigkeitsgefühl als wichtig erachtet wird, hat bei uns die Gesangsverweigerung eine lange Tradition, schon die Walter-Brüder blieben bei dem legendären WM-Sieg 1954 in Bern stumm, Ottmar kaute gar stattdessen Kaugummi. Auch 1974, 20 Jahre später beim Finale in München, bot sich ein ähnliches Bild: Beckenbauer, Maier, Schwarzenbeck, Bonhof, Hölzenbein, Grabowski, Müller, Overath, Vogts, Breitner und Hoeneß dachten nicht im Traum daran, auch nur so etwas wie einen Gesang anzudeuten.

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Erst 1990 im Zuge der Wiedervereinigung brach dieses angespannte Verhältnis zu den Landessymbolen auf, bei der WM in Italien sangen unsere Kicker und ihre Anhänger so leidenschaftlich mit wie selten zuvor und danach, doch ein Chauvinismus war dabei nicht zu beobachten, mit dem offen gezeigten Patriotismus stieg auch die Toleranz - kein Widerspruch, wie mancher erstaunt feststellen musste.

Nationalstolz versus Schuld, Scham und Befangenheit

Für Prof. Dr. Ulrich Schmidt-Denter von der Universität Köln (Entwicklungs- und Erziehungspsychologie) sind nationale Bekenntnisse sogar förderlich für eine gelungene Integration bei Menschen mit Migrationshintergrund, wie er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel sagte: „Die deutsche Art der nationalen Identitätsvermittlung stößt viele ausländische Jugendliche ab. Sie macht es ihnen schwer, sich mit Deutschland zu identifizieren. Und insbesondere junge Türken wenden sich von daher eher einer türkischen Identität zu, die sie stark idealisieren, klar. Aber wenn es bei Erdogan Nationalstolz zu kaufen gibt und bei den Deutschen nur Schuld, Scham und Befangenheit, dann muss man sich nicht wundern, wenn beim ersten Kiosk die Schlange länger ist, als beim zweiten.“

Diskutieren Sie mit: Unverkrampft „Farbe bekennen“ und Deutschland unterstützen oder Zurückhaltung bewahren - wie zelebrieren Sie die Fußball-WM?

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Was für eine „Prachthütte“ - Leser Stefan aus Egling kann zu Recht stolz sein!

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