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Knecht Ruprecht - Schuld an traumatisierten Kindern?

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Krampus und Knecht Ruprecht dürfen nicht mehr kommen – werden unsere Kinder zu sehr verhätschelt? Diskutieren Sie mit!

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Für die meisten Pädagogen und Behüter der zarten Kinderseelen sind der Knecht Ruprecht oder hierzulande in Bayern der Krampus nicht mehr zeitgemäß. Das Konzept der Bestrafung führe zu Traumata und schweren Angstzuständen.

Doch stellen sich viele Leute die Frage, wie die Generationen zuvor eigentlich geistig gesund ins Erwachsenenalter gelangen konnten.

Wer kennt es nicht aus seiner Kindheit? Wenn es abends zu Bett geht und das Licht ausgemacht wird, erwachen alle möglichen finsteren Gestalten zum „Leben“, die nur darauf lauern, einem im Schlaf zu packen. Sie verstecken sich vorzugsweise unter dem Bett oder im Kleiderschrank. Einen kleinen und nur dürftigen Schutz bietet die Decke, unter der man sich komplett verkriechen muss - lediglich ein kleiner Luftschlitz ist erlaubt. Wenn dann irgendwann die Augen zufallen, ist es geschafft. Falls nicht, bleibt als Notlösung nur der schnelle Spurt ins elterliche Schlafzimmer.

Lernen, mit Ängsten umzugehen

Doch natürlich machen Mama und Papa nicht ewig das Spielchen mit, irgendwann heißt es zu lernen, mit seinen Kindheitsängsten umzugehen, denn sie sind Bestandteil der normalen seelischen Entwicklung. Angst ist ein menschliches Gefühl und gehört zum Leben, sie warnt vor möglichen Gefahren. Zu wissen, wie es seine Ängste bewältigen kann, dies macht erst innerlich ausgeglichen, selbstbewusst und stark - und fit für das Leben.

Wir möchten von Ihnen wissen: Werden die Kinder von heute übertrieben behütet und verhätschelt? Diskutieren Sie mit!

Eine Rolle in der Angsterfahrung und dem Erlernen des Umgangs mit ihr nahm über Jahrhunderte sowohl der Knecht Ruprecht als auch der Krampus ein. Sie brachten Kinder dazu, ihre Fehler zu hinterfragen und sich mit der Angst vor Strafe, hier die Rute, auseinanderzusetzen.

Heutzutage übernimmt der Heilige Nikolaus überwiegend beide Parts, den des Guten sowie des Bösen. „Warst Du dieses Jahr auch schön brav?“, fragt er dann meist bevor er aus seinem goldenen Buch vorliest, was die Kinder gut gemacht haben und an was sie noch arbeiten müssen, bis er nächstes Jahr wieder zu Besuch kommt. Die Drohungen fallen dabei weg, der Nikolaus wird meist - trotz der Kritik am Verhalten - als ein guter Heiliger angesehen. Inzwischen kommt der Nikolaus teilweise sogar nur noch zum Loben und Geschenke bringen. Der Nikolaus kommt und liest nur Positives aus seinem goldenen Buch vor. „Er kam bei uns schon immer alleine. Es hat bei uns noch nie einen Krampus gegeben“, erzählt die Erzieherin. Es gehe darum, den Kindern die Geschichte des Nikolaus von Myra zu erzählen, der Gutes getan hat und den Menschen heimlich Geschenke gemacht hat. Dabei solle nicht mit Angst gearbeitet werden.

Kritische Beobachter weisen darauf hin, dass den Kindern von heute kaum noch vermittelt wird, weder durch Eltern, Erziehern noch Lehrern, welche Konsequenzen „unartiges“ Benehmen auch nach sich ziehen können - Konsequenzen, die dann nicht in die pastellfarbene Welt der Lobpreisungen, dafür aber in die der Realität mit Pflichten und Verantwortungen passen.

Umfrage: Wir möchten Ihre Meinung zu diesem Thema kennenlernen. Stimmen Sie ab und diskutieren mit uns, ob etwas Angst vor Strafe auch heute noch erzieherisch notwendig ist und ob der Krampus oder Knecht Ruprecht dafür als traditionelle Figuren ihre Daseinsberechtigung haben.

Passen Krampus und Knecht Ruprecht als Brauchtum noch in die heutige Zeit und sind heute sogar wichtiger denn je?

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Horrorclown Pennywise statt Tradition

Dass die Kinder und Jugendlichen sich ihren Schrecken dann aus anderer Quelle holen, wenn uralte Bräuche wegpädagogisiert werden, kann man sehr anschaulich zu Halloween beobachten: Der Horrorclown Pennywise (bekannt aus Stephen Kings „Es“) und auch andere Gruselgestalten sorgen jedes Jahr bei unzähligen Heranwachsenden für den wohligen Grusel. Im Alltag werden Schrecken auch medial verarbeitet, die Privatsender bieten nicht nur im Abend- und Nachtprogramm (eher brutal-triviale) Szenarien, gegen die der „böse“ Ruprecht wie die personifizierte Harmlosigkeit wirkt. Ist im Zeitalter der Überfürsorge das richtige Augenmaß nicht mehr vorhanden?

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