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Rentner am Steuer – wie groß ist die Gefahr für den Straßenverkehr? Diskutieren Sie mit und stimmen ab

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Sollte es einen verpflichtenden und regelmäßigen Gesundheitscheck für Rentner mit Führerschein geben?
Sollte es einen verpflichtenden und regelmäßigen Gesundheitscheck für Rentner mit Führerschein geben? © dpa

Regelmäßig flammt aus aktuellen Anlässen die Diskussion auf, ob Rentner am Steuer eine zu große Gefahr im Straßenverkehr sind und wie man Vorsorge treffen kann, um schreckliche Unfälle wie letzten Mittwoch in der Schweiz zu verhindern.

Im schweizerischen Lenzburg überfuhr ein 80-jähriger Rentner ungebremst die 19-Jährige Elida O., welche gerade über einen Zebrastreifen lief. Vorfälle wie diese erschüttern. Ein junger Mensch, der noch seine ganze Zukunft vor sich hatte, ist plötzlich und grausam aus dem Leben gerissen worden. Viele besorgte Bürger fragen sich nach solchen Unfällen: Sind Autofahrer ab einem gewissen Alter überhaupt noch den über die Jahrzehnte gestiegenen Anforderungen im Straßenverkehr gewachsen oder stellen sie nicht vielmehr eine potentielle Gefahr für jeden Verkehrsteilnehmer dar? Wie kann dafür gesorgt werden, dass solche tragischen Unfälle möglichst nicht mehr geschehen?

„Gesundheits-TÜV“ und tempogedrosselte Fahrzeuge

Vorschläge wie ein regelmäßiger „Gesundheits-TÜV“, tempogedrosselte Fahrzeuge oder eine Führerschein-Zwangsabgabe ab einem gewissen Alter machen immer wieder die Runde. Doch welche Maßnahmen sind realistisch und umsetzbar? Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat ein Präventionsprogramm aufgelegt, wie der stellvertretende Dienststellenleiter der Miesbacher Inspektion, Reinhard Schuster, erklärt. „Da werden Senioren nach Unfällen angeschrieben und zu einem freiwilligen Seminar zum Auffrischen der Verkehrsregeln eingeladen.“ Ginge es nach ihm, sollte es – wie bei Berufskraftfahrern – einen verpflichtenden und regelmäßigen Gesundheitscheck geben. „Das“, betont der Vizeleiter der Inspektion, „ist aber meine persönliche Meinung.“

Wie ist Ihre persönliche Meinung? Befürworten Sie einen regelmäßigen Gesundheitscheck für Senioren mit Führerschein - und sollten die dafür anfallenden Kosten von den Krankenkassen übernommen werden? Machen Sie mit und diskutieren in unserer Kommentarspalte!

Wer den Führerschein hat, hat ihn im Normalfall auf Lebenszeit. Eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren gibt es in Deutschland bislang nicht. Forderungen danach werden aber immer wieder laut. Vor allem, wenn ein älterer Autofahrer einen Unfall verursacht. Die Statistik der Polizei scheint diese Forderungen zu rechtfertigen. Als Beispiel dafür hat sich im Landkreis Miesbach seit 2012 die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren im Landkreis Miesbach (inklusive Autobahn) Jahr für Jahr erhöht. 259 Mal war 2016 ein über 65-Jähriger der Unfallverursacher – ein Plus von mehr als 32 Prozent im Vergleich zu 2012.

Umfrage: Wir möchten Ihre Meinung zu diesem Thema kennenlernen. Stimmen Sie ab und diskutieren mit uns über das Thema „Rentner im Straßenverkehr“.

Auf politischer Ebene wird kein Handlungsbedarf gesehen

Auf politischer Ebene wird ein verpflichtender Fahrtauglichkeitstest nicht für notwendig gehalten. So hat sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kategorisch gegen verpflichtende Fahreignungstests ausgesprochen. Ältere Autofahrer sollen selbst entscheiden, wann sie das Autofahren einschränken oder aufgeben, wenn die Fähigkeiten dazu nachlassen. 

Verbände wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Fachärzte weisen dagegen regelmäßig darauf hin, dass mit zunehmendem Alter die Leistungsfähigkeit abnimmt und dies mitunter gefährliche Folgen im Straßenverkehr haben kann: Senioren über 65 Jahre, die in einen Unfall verwickelt sind, tragen nach Angaben des statistischen Bundesamtes in über 67 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei den über 75-Jährigen waren es über 75 Prozent. Tatsächlich steigen die Fallzahlen im Negativbereich seit mehreren Jahren stark und kontinuierlich. Die Führerscheinentzugsverfahren haben sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland rechnen Experten damit, dass die stark ansteigende Zahl der Überprüfungsfälle bei älteren Fahrerlaubnisinhabern stetig zunehmen wird.

„Seniorenführerschein“ für tempogedrosselte Kleinwagen?

Ein anderer Ansatz ist die Idee des speziellen „Seniorenführerscheins“ im Austausch mit der normalen Fahrerlaubnis, der zum Führen eines in Leistung und Geschwindigkeit gedrosselten PKW mit 25 km/h berechtigen würde. Doch auch hier scheint der politische Wille nicht mehrheitsfähig zu sein, genannt wird die Befürchtung einer verstärkt zunehmenden Überlastung des ohnehin schon dichten Straßenverkehrs.

Disclaimer:

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